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Die Wild- und Rheingrafschaft in Grumbach

Im Jahre 1575 haben Wild- und Rheingraf Johann Christoph und seine Gattin Dorothea von Mansfeld ihren Wohn- und Regierungssitz von Dhaun nach Grumbach verlegt. Damit wurde er zum Stifter der besonderen   Linie zu Grumbach.
Da gab es nun viel zu ordnen, zu schlichten und auszugleichen. Eine schwere Last war auf die Schultern des ersten Wild- und Rheingrafen der Grumbacher Linie gelegt. Ein früher Tod nahm ihm 1585 diese Last ab.
Seine Söhne Johann (1582-1630) und Adolf (1585-1626) errichteten 1606, trotz großen Widerstandes des den  Ort Alsenz (damals ca. 700 Einohner) mitbesitzenden Zweibrücker Hauses unter Herzog Johann II., in Alsenz eine Münze. Die Umschrift lautete: „IOAN.ET.ADOL.CO.SIL.ET.R“, übersetzt aus dem Lateinischen bedeutet dies: Johann und Adolf, Wild- und Rheingraf. Die Darstellung des Münzbildes beinhaltete mit einem Löwen die Wild- und Rheingrafschaft, mit beiden Salmen die Grafschaft Salm und mit einem Querbalken die Herrschaft Vinstingen. Alsenz war damals der Hauptort und Verwaltungssitz des gleichnamigen Unteramtes der Grumbacher Linie mit den Dörfern Hochstätten, Winterborn und Niederhausen. Mit Beginn des 18. Jh. besaßen die Wild- und Rheingrafen der Linie Salm-Grumbach jedoch nur noch ein Drittel von Alsenz. Durch geschicktes Taktieren hatten die Zweibrücker Herzöge zwei Drittel von Alsenz in Besitz genommen.
Am 29.März 1595 wurde zwischen dem Wild- und Rheingrafen Johann und dem  Herzog Johann I. von Zwei-brücken wegen dem Ort Offenbach vertraglich vereinbart, dass die Offenbacher Gerichtsschöffen entsprechend dem Vertrag von 1318 „auf den Herzog vereidigt werden, ebenso der Cratz´sche Hubschultheiß, der die Streitfragen unter den Hub-Leuten zu schlichten hat“.
Zur Grafschaft Grumbach gehörten um 1600 die Dörfer Grumbach, Kappeln, Merzweiler, Langweiler, Ober- und Unterjeckenbach, Rode, Wieselbach, Ehlenbach, Ilgesheim, Sulzbach, Homberg, Kirrweiler, Deimberg, Buborn, Hausweiler, Offenbach ohne die Abtei, Olschied, Niederalben, Eschenau, Hundheim, Nerzweiler, Eßweiler, Oberaschbach, Niederaschbach und Kirchenbollenbach, dazu einige Höfe und Mühlen. Merzweiler, das zum Herzogtum Zweibrücken gehörte, wurde 1595 gegen Bosenbach eingetauscht, ebenso Kirchenbollen-bach gegen Hinzweiler und Hirsau. 1755 wurden Hinzweiler und Hirsau wieder erworben, die meisten anderen Orte im Eßweiler Tal gingen im Laufe der Zeit verloren. Im gleichen Jahr 1755 unterzeichnete der Zweibrücker Herzog Christian V. und Karl Walrad Wilhelm einen Tauschvertrag. Folglich wurden die Abtei   in Offenbach und der Ort Hundheim, ab 1595 zum Herzogtum Zweibrücken gehörend, dem Grumbacher Herrschaftsgebiet wieder angegliedert.
Johann, der mit Juliane von Mansfeld verheiratet war, lernte in seinem Alter noch die ersten Schrecken des 30-jährigen Krieges kennen. Er starb 1630. Grumbach hatte um dieses Jahr etwa 150 Einwohner, Merzweiler 70, Langweiler 50, Freyjeckenbach 50, Sulzbach 60, Homberg 50, Kirrweiler 70, Deimberg 30, Buborn 40, Haus-weiler 30. In den darauffolgenden Jahren schrumpfte die Einwohnerzahl aufgrund von Krieg, Pest und Seuchen. Diese Verwüstung der Herrschaft zu erleben blieb dem Sohne Johanns, Adolf, und seiner Gattin Anna Juliana von Dhaun vorbehalten (1630-1668). Das Jahr 1663 ist in der Geschichte Grumbachs durch die Einweihung der Schloßkirche ein wichtiges Datum. Taufen und Trauungen, die vorher in Herren-Sulzbach vorgenommen wurden, konnten nun auch häufiger in der neuen Schloßkirche stattfinden. Zur Einweihung gab es eine Kindtaufe: „1663 Den 10.8. Abends um halb 6 Uhren ist die Hochgeborene Gräfin und Frau eines jungen Herr-leins genesen, welcher hernach den 21.8. bei Einweihung der neuen Kirche getauft und Adolf Henrich genennet worden.“ 
1668 wurde die Grafschaft unter den Söhnen geteilt und be-stand aus den Linien Grum­bach und Rheingrafenstein-Gaugrehweiler (bei Bad Münster am Stein). Auch dessen Nachfolger Leopold Philipp Wilhelm (1668-1719) mußte mit seiner Gattin Friderica Juliana durch schwere Zeiten hindurchgehen. Die in seine Regierungszeit fallenden Raubkriege Ludwigs des XIV. brachten dem Amt Tod und Verderben. Es war die Zeit des Pfälzischen Krieges (1688-1697). Ludwigs XIV. hatte im west-fälischen Frieden 1648 Elsaß-Lothringen bekommen und beanspruchte nun das ganze linke Rheinufer. Er gab vor, die Pfalz für seine Schwägerin Lise-lotte von der Pfalz, Herzogin von Orleáns, zu erobern. In dieser Zeit verästelten sich die Zweige Salm und Grumbach in Salm-Salm (lothringische Besitzungen), Salm-Hoogstraten (flandrische Besitzungen), Salm-Leutze (westfälische Besitzungen) und in Grumbach und Rheingrafenstein. Dhaun blieb ungeteilt. Der Fürst von Salm-Salm erhielt das ganze Amt Kyrburg.
Leopold Philipp Wilhelm leitete aber auch die Wende zu einer glücklicheren Ära ein. Sein Freiheitsbrief von 1708 gewährte die Entfaltung des freien Handels. Es folgten glückliche Jahrzehnte des Friedens und des Auf-stiegs. In diesen Jahren regierten von 1719-1727 Karl Ludwig Philipp mit Maria Henriette von Nassau-Usingen. Sein Erstgeborener, Karl Walrad Wilhelm (geb. 10.10.1701), übernahm mit Leopoldine Franziska Theresia, Gräfin von Prösing 1727 die Regierung, sie wohnten im Grumbacher Schloß. Karl Walrad Wilhelm starb am 11.Juli 1763.

Die Grablege des gräflichen Hauses war seit 1606 die Kirche in Herren-Sulzbach. 62 Mitglieder wurden dort bei-
gesetzt. Unter seinen Nachfolgern waren 5 Söhne. Der älteste Sohn, Rheingraf von Grumbach, Karl Ludwig Wilhelm Theodor, wurde am 14. Juli 1729 geboren.
1744 gab es neue Aufteilungen , als das Oberamt Kyrburg an die Fürsten von Salm-Leutze fiel, die sich jetzt Salm-Kyrburg nannten. Im Jahre 1750 erhielt Karl Ludwig Wilhelm Theodor nach dem Aussterben der dhaunischen Linie durch Entscheidung des Reichskammergerichts das Amt Dhaun und von den Ämtern Wörrstadt, wo er später ein  Resi­denzschloß erbaute, 4/16 und Flonheim 3/16. Als Rheingraf  von Grum­bach und Dhaun heiratete er 1768 die Tochter des Fürsten Karl Friedrich Wilhelm zu Leiningen-Dachsburg-Harten-burg, mit Namen Marianne Elisabeth Christine (geb.  27.Okt. 1754,  gest. am 16. Februar 1792).
Als 1775 der Rheingraf von Gaugrehweiler und Rheingrafenstein, Karl Magnus (1718-1793), durch kaiserlichen Befehl zum Arrest auf die Festung Königstein im Taunus gebracht wurde, ist Karl Ludwig Wilhelm Theodor regierender Rheingraf des ganzen Hauses mit Sitz in Grumbach geworden.                                                                                             
Durch den Vertrag vom 18. September 1783 erhielt er von den Ämtern Wörrstadt 10/16 und Flonheim 3/16. Karl Magnus lebte bis zu seinem Tode am 1. Juli 1793 als französischer Brigadier von seiner Militärrente zu-rückgezogen im Schloß in Gaugrehweiler. Seine Tochter Luise Charlotte wurde 1775 die Frau des Wild- und Rheingrafen Wilhelm Christian von Grumbach. Sie kamen keine männlichen Nachkommen und so erlosch die Linie der Rheingrafen von Gaugrehweiler schon mit Karl Magnus.

Solange die Brüder Carl August (geb. 13.08.1742, gest. 08.09.1800) und Walrad (geb. 09.09.1748, gest.1815) noch klein waren, Karl Ludwig Theodor Wilhelm war immerhin mehr als 10 Jahre älter als sie, ging es in Grumbach gut. Als sie aber größer geworden waren, gab es andauernd Uneinigkeiten unter den wild- und rheingräflichen Brüdern. Deshalb verließ Karl Ludwig Wilhelm Theodor Grumbach und zog 1788 mit seiner Familie ins neue Residenzschloß nach Wörr­stadt um. Trotz dieses Umzuges wurden weiterhin alle Angelegenheiten von der Kannzlei in Grumbach aus erledigt.
Als das Revolutionsgewitter über Frankreich bereits zum Ausbruch gekommen war und auch hier sich dunkle Wolken zusammenballten, wurden sie 1793 von den Franzosen vertrieben.

Die Besitzungen der Wild- und Rheingrafen im Amte Grumbach waren anfangs nicht sehr umfangreich. Das stolze Schloß stellte selbst wohl den wertvollsten Besitz dar. Mächtige Mauern, Erker und Giebel, Ornamente und viele andere Dinge machten das Schloß zu einer der Würde und dem Adel seiner Bewohner angemessenen Behausung. Merian sagt 1645: „eines der vornehmsten Schlösser der Rhein- und Wildgrafen von Dhaun-Kyrburg“.

„Die Rheingrafschaft Grumbach bestand aus mehr als siebzig größeren und kleineren Ortschaften und Höfen, die teils von den Grumbachern ganzteilig, teils mit den fürstlichen Häusern Salm-Salm und Salm-Kyrburg in Gemeinschaft zur Hälfte, zu Dreiviertel, fünf Achtel und sieben Achtel besessen wurden. Woraus dann komische Verhältnisse entstehen“. (Lindenmeyer, 1792)
Sogar im Elsaß war die Herrschaft von Grumbach bis zur französischen Revolution zu einem Viertel Mitbe-sitzer am Amt und der Stadt Diemeningen. Ein Philipp Wendel Juncker, geboren 1758 zu Grumbach, wurde 1786 vom Fürst-Rheingräflichen Haus, wegen seiner guten Forstkenntnisse als Oberförster in dem gemein-schaftlichen Amt Diemeningen eingesetzt.
Von den Reichtümern aber, die in den Gemächern des Schlosses verborgen waren, haben wir keine gewisse Kunde. Später waren alle Schränke und Truhen leer. Vielleicht waren diese Reichtümer auch nur in der Vorstellung der Untertanen vorhanden.
In der Nähe des Schlosses lag der Viehhof mit den Ställen und besonders großen Scheunen. Die Scheunen dienten zur Aufnahme und Lagerung des „Zehnten“. Dem gleichen Zweck dienten auch die Zehntscheunen in fast allen Dörfern. In Buborn und Kirrweiler kennt man heute noch die Stelle, wo diese gestanden haben.
Der Röllhof war ein herrschaftlicher Hof auf dem Röllberge in der Nähe Grumbachs. Er wurde von einem Hofmann verwaltet, der auch die Aufsicht über die herrschaftlichen Ländereien hatte. Eine große Schäferei war dem Röllhofe angeschlossen, und der Schäfer wohnte, in dem angebauten Hirtenhause. Den Schönborner Hof erwarben die Wild- und Rheingrafen 1606 käuflich von den Johannitern. Sie ließen ihn von einem Hofmann verwalten. Er diente als Jagdschlößchen für die gräfliche Familie und war ein willkommener Sommeraufenthalt.
Später erwarben die Wild- und Rheingrafen noch andere Höfe in Buborn, Deimberg und Kirrweiler, ebenso den Windhof, den Fichtenhof und Teile des Hohenröther Hofes. Alle Höfe wurden von Hofleuten verwaltet und je nach Gelegenheit gegen andere Höfe wieder eingetauscht. Schließlich gehörte noch die Rheingrafenmühle in Lauterecken zum Besitztum des Schlosses.

Die Hofhaltung im Grumbacher Schloß war im 18. Jahrhundert (Rheingraf Karl Walrad Wilhelm, 1728-1763) schlicht und einfach. Dennoch pflegten sich die Wild- und Rheingrafen in Grumbach mit einem ansehnlichen Troß von Beamten und Dienern zu umgeben. Ein französischer Hofmeister sorgte für die Erhaltung und Pflege höfischer Sitte, der Burgvogt stand dem Gesinde vor. Es gab einen Forstmeister, einen Wildschütz, Kammer-diener, Kellereiverwalter, Gärtner und Kutscher, einen Vogelfänger, Gerichtsherrn, Kanzleirat, Kaplan, Sekretär,  und manche andere Bedienstete im Schloß. Eine Ehrenwache präsentierte, wenn hoher Besuch kam.

Sie bestand aus einem Sergeanten, einem Trommler, einem Pfeifer und 13 Mousguetiers. Die Soldaten wohnten zu Hause bei ihren Frauen und Kindern. Morgens versammelten sie sich zur festgesetzten Stunde und abends gingen sie wieder in ihre Dörfer. Ihre Uniform war nach preußischem Muster hergestellt und recht buntscheckig: blautuchene weiß raversierte Röcke, weiße Weste, weiße Hosen, Hut mit schwarzer Kokarde und Federstrauß. Mancher Silbergroschen floß auch aus der Schloßkasse den Handwerksleuten und Einwohnern von Grumbach zu. Viel Gutes und Anerkennendes ist über die Lebenshaltung und Lebensführung der Wild- und Rheingrafen in Grumbach gesagt und geschrieben worden. Es fehlte aber auch nicht an hässlicher Kritik.
Friderike Sophie Wilhelmine, Markgräfin von Bayreuth (gest. 1758), die ältere Schwester König Friedrich des Großen, schreibt in ihren Memoiren von den Grafen in Grumbach: „Ihre Gesichter waren halbverdeckt von alten zerzausten Haarschauben, in denen Läuse so alter Herkunft ihre Wohnung aufgeschlagen hatten, wie ihre eigenen waren. Staatskleider putzten sie auf, woran das Gold so unscheinbar war, daß man es nicht zu erkennen vermochte. Ihre Töchter mit ihren Haarlocken von falschem Haar, mit ihren 50 Bandschleifchen von allen Farben, mit dem affektierten Anstande, der anmutiges Wesen nachzuahmen sucht, vermochte nicht das Herz eines Ebenbürtigen zu erobern und blieben ledig“.
Historiker beurteilen Lebenshaltung und Regierungsstil der Grumbacher Grafen im Ganzen recht positiv. Bis-lang hatte es kein geschriebenes Gesetz gegeben, das menschliches Zusammenleben im einzelnen regelte. Die Wild- und Rheingrafen in Grumbach übten alle Regierungsgewalt in ihrer Herrschaft aus. Gericht und Polizei sowie alle Zweige der Verwaltung lagen in ihrer Hand. Die Förderung des wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens war ihr besonderes Anliegen. Ihnen standen zwar einige Kanzleiräte und Amtleute, in den Dörfern die Schöffen und Schultheiße zur Seite, aber diese waren nur helfende und aus-führende Organe. War das Herrschaftsgebiet auch klein, so gab es doch eine Fülle von Dingen, um die sich der Landesherr kümmern mußte. Zunächst galt es, das Zusammenleben der Menschen durch ein geschriebenes Gesetz zu ordnen und dieses Gesetz immer von neuem den Bedürfnissen der Zeit und der Menschen anzupassen. An die Stelle des überlieferten Herkommens traten die Gerichtsordnungen, die Gemeindeordnungen, Polizeiordnungen, Ordnungen für die Mühlen, für die Zölle, den Feuerschutz usw. Es gab kaum ein Lebensgebiet, das nicht in eine geschriebene Ordnung eingefügt wurde.
Die rheingräflichen Münzen trugen die Umschrift: „Carl Walrad W.Z.D.V.K.R.Z.ST.G.Z.S“, das bedeutet Wild-graf zu Dhaun und Kyrburg, Rheingraf zum Stein, Graf zu Salm.
Der Fürsorge für die Untertanen diente auch die große Politik, das kluge und vorsichtige Abwägen von Ent-scheidungen besonders in Zeiten des Krieges. Dadurch blieb dem Lande viel Unheil erspart. Aber auch die ganz kleine Politik blieb stets ein Anliegen der Wild- und Rheingrafen. Wenn ein Weiderecht verletzt wurde oder eine Erbauseinandersetzung nicht zu dem gewünschten Ergebnis führte, wenn eine Gemeinde einen Weg bauen wollte oder eine Klage gegen einen Dorfbewohner hatte, all diese kleinen öffentlichen und privaten Ange-legenheiten wurden an den Landesvater herangetragen und seine Entscheidung erbeten.

Grumbach in alter Zeit Grumbach in alter Zeit

Die geistige Förderung der Untertanen hat den Wild- und Rheingrafen stets am Herzen gelegen. Durch Geldzu-wendungen haben sie die Schulen gefördert, und durch Schaffung eines Schulgutes das Gehalt der Lehrer sichergestellt. Junge Studenten von den Universitäten, Pfarrer und Lehrer trafen sich im Schloß zu ernsthaften wissenschaftlichen Diskussionen. Kandidaten der Theologie wurden als Hauslehrer angestellt und ein fran-zösischer Sprachlehrer unterrichtete die Kinder in Fremdsprachen. Auch an der Volksschule zu Grumbach wurde französischer Sprachunterricht erteilt.
Der wirtschaftlichen Hebung des Landes diente der Freiheitsbrief vom 7. Januar 1708 und die damit verbundene Abschaffung der Leibeigenschaft der Einwohner und die Marktfreiheit für Grumbach und Offenbach. Großzügig wurde für bestimmte Artikel besonders an den Markttagen Zollfreiheit gewährt und die Marktge-bühr erlassen, so daß Handel und Wandel sich entfalten konnten. In sozialer Hinsicht haben besonders der Wild- und Rheingraf Karl Walrad, seine Gattin und seine Mutter Hervorragendes geleistet. Karl Walrad ging auch in die ärmste Hütte und half und gab, daß die linke Hand nicht wußte, was die rechte tat. Bei einer Kindtaufe in einem Hirtenhause saß er mit seiner Gattin neben dem Bauern und Tagelöhner zu Tisch. Seine Gattin war in der Medizin wohl bewandert. Wo Kranke waren, da half und pflegte sie überall und hat sich nicht gefürchtet, auch bei dunkler Nacht eine einsame Hirtenhütte aufzusuchen, wenn man ihrer bedurfte. Die Mutter des Karl Walrad, die Gräfin Friederike Juliana, trug persönlich den Kindbettfrauen die Suppe aus der Schloß-küche zum Mittagsmahl und schenkte ihnen Porzellan und andere Dinge. So war es verständlich, daß Vertrauen und Liebe die Gaben des Dankes waren die daß Wild- und Rheingräfliche Haus von seinen Untertanen entgegennehmen durfte, eine köstliche Ernte von einer edlen Saat. Wie sah nun Ludwig Lindenmeyer (1762-1820), der ab 1792 auf dem Schloß rheingräflicher Regierungsassessor war, unseren Ort: „Grumbach ist ein kleines unansehnliches Örtchen, an dem Abhang eines Berges, auf dessen Gipfel das alte Schloß prangt, bis hinab ins enge Tal unregelmäßig gebaut und in zwei enge Straßen abgeteilt. Eine Treppe von 72 ausgetretenen Stufen führte zum Schloß. Die Einwohner, meist Handwerksleute, hatten solange die Residenz bestand, gutes Auskommen“.

Die Zeit des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch zahlreiche Kriegszüge, die für die Bevölkerung große Not und viel Elend brachten: der „Spanische Erbfolgekrieg“ (1701-1713/14), ein Bürger-krieg, der für Spanien den Ver­lust des letzten Restes nationalen Wohlstandes bedeutete; der „Österreichische Erbfolgekrieg“ (1740-1748), der die Völker Österreichs, Bayerns, Frankreichs und Preußens im Krieg sah; der „Siebenjährige Krieg“ (1756-1763), in den Preußen, Schweden, Rußland, Frankreich und Österreich verwickelt waren; außerdem die wahrhaft europaweiten „Französischen Revolutionskriege“ (1789-1815), die für alle großen europäischen Staaten gewaltige politische Änderun­gen brachten. Zu diesen großen Kriegen, die zur Ver-elendung großer Bevölkerungskreise führten, kamen noch die gesamt­europäischen Hungersnöte von 1740/41 und 1770/71 hinzu. Die politische Landschaft in Deutschland sah aus wie ein Flickenteppich: 350 Königreiche, Fürstentümer und Graf­schaften von nur regionaler Bedeutung ließen eine überregio­nale Politik mit all ihren Folgen für die deutsche Bevölkerung unmöglich werden. Besonders deutlich zeigte sich diese Si­tuation im Rheinland: das linke Rheinufer war in etwa 150 Territorien zerrissen, davon 47 größere und 30 kleinere Herrschaften sowie 75 Reichsritterschaften.

Grumbacher Stadtwappen

Grumbacher Stadtwappen

 

Löwe 1

Grumbacher

 

Wappen Grafen

Wild- und Rheingräfliches Wappen

 

Siegel Kanzlei

Siegel Kanzlei

 

Siegel Gericht

Siegel Gericht