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Die Wild- und Rheingrafschaft bis zur Teilung im Jahr 1575

Johann hatte aber eine Schwester Hedwig, die mit dem Rheingrafen Johann I. seit 1310 verheiratet war. Diese Heirat bedeutete für das Geschlecht der Rheingrafen den Wiederaufstieg. Es hatte früher im Rheingau das Rheingrafenamt verwaltet und 1279 seinen Besitz an Kurmainz verloren. Nachkommen hatten in die Familie  der Herren vom Stein eingeheiratet und waren dadurch zu Rheingrafen vom Stein auf dem Rheingrafenstein über Münster an der Nahe geworden. Deren Sohn erbte nun auch die Wildgrafschaft und nannte sich „Johann II., Wild- und Rheingraf“.
Eine große Herrschaft war wieder entstanden, nämlich die Wildgrafschaft Dhaun-Grumbach zuzüglich der gan-zen Rheingrafschaft. Nach 20-jähriger Alleinherrschaft teilte Johann II. seine Besitzungen mit seinem Bruder Konrad. Konrad erhielt Teile der Rheingrafschaft mit dem Rheingrafenstein. Johann behielt Dhaun und Grum-bach mit der Residenz in Dhaun.  Er konnte 1350 durch seine Heirat mit der Kyrburger Wildgräfin Margarethe in den Besitz eines Teiles der Kyrburger Wildgrafschaft gelangen. Sein Sohn Johann III. heiratete 1406 die Erbtochter des Hausese Kyrburg, namens Adelheid. Damit war die gesamte Wildgrafschaft mit Ausnahme von großer Teilen der Schmidtburger Wildgrafschaft, die inzwischen in der Schmidtburger Fehde an Kurtrier verlorengegangen waren, wieder vereint unter dem Hause der Wild- und Rheingrafen.
Mit Zustimmung des Königs Ruprecht I. als damaligen Pfalzgraf und Oberlehensherr wurde Johann III. seit 1409 nach dem Erlöschen des Kyrburger Zweiges Alleinbesitzer der Wildgrafschaft.
Außerdem beerbte er 1394 seinen Onkel Konrad vom Rheingrafenstein und der Rheingrafschaft, schenkte jenes Erbe aber seinem Bruder Friedrich und erwarb die Kyrburg ganz. Während Johann II. in seinem Titel noch  den „Rheingrafen“ vorangestellt hatte, nannte sich Johann III. nun „Wildgraf zu Dhaun und Kyrburg und Rheingraf zum Stein“. Diese Vereinigung kam natürlich schon in dem von Johann III. geführten Wappen zum Ausdruck, in dem zwei wildgräfliche Löwen und zwei rheingräfliche Leoparden enthalten waren.    
Kurz vor dem Tode Johann II. im Jahre 1383 erhielt er von dem deutschen König Wenzel (1378-1400) das Recht, ein Banner zu führen, d.h. eine Fahne, die an einer mit dem Schaft verbundenen Querstange hing. Für gewöhnlich waren Adelige nur berechtigt eine Spitzfahne zu führen in der Art eines heutigen Wimpels.

Anno 1456 verkaufte Rheingraf Johann dem Pfalzgrafen Friedrich I. von der Pfalz die Burg Diemerstein bei Frankenstein. Rheingraf Johann V., Wildgraf in Kyrburg und Dhaun, heiratete um das Jahr 1460 Johannetta, die einzige Tochter des Grafen Simon III. von Salm.
Dadurch erwarb er die halbe Grafschaft Salm (in den Ardennen), sowie die Grafschaft Mörchingen - Merian schreibt 1645: Merchingen - und die Herrschaft Püttlingen (auch:Heseputlingen; im Westerreich/Westrich).

Sein Sohn, Johann VI., bekam 1478 durch Heirat mit Johanna, der Tochter des Grafen Nicolai in Saarwerden (Blieskessel) und Mörß, die Reichsherr­schaft Vinstingen in Lothringen, sowie die HerrschaftenOgiville, Nustille, Aßmantz und Dimeringen (im Seitental der Saar).
Auch die ritterlichen Tugenden der Wild- und Rheingrafen, der Herren des Nahegaues und des Hunsrücks wurden immer wieder als groß und edel gerühmt. Sie zählten zu den treuesten Gefolgsleuten der Kurpfalz, die viele Grenzen mit den Wild- und Rheingrafen von Dhaun-Grumbach gemeinsam hatte. Im Jahre 1475 wurden die Wild- und Rheingrafen von Dhaun-Grumbach durch kaiserliches Edikt in den Reichsgrafenstand erhoben. Nun nahmen sie an den großen Reichstagen teil und hatten dort Sitz und Stimme. Dhaun-Grumbach trat in das Blickfeld deutscher Geschichte.
Seit 1475 führten die Wild- und Rheingrafen zusätzlich den Titel „Graf von Salm“ u. „Herren von Vinstingen“. Im Wappen wurde der Mittelschild gespalten; links verblieben die drei Kyrburger Löwen, rechts wurde der Schild durch das Salmer Wappen, zwei silberne Salme mit goldenen Krückenkreuzen in rotem Feld, vermehrt.
Dieses Wappen wurde von Johann VI. ein weiteres Mal erweitert. Der Mittelschild wurde rechts geteilt und um einen Querbalken auf blauem Feld vermehrt.

Um 1500 erstreckten sich durch eine kluge Familienpolitik die Grenzen der Herrschaft Dhaun-Grumbach  von der Nahe, über die Vogesen bis hin zum Rhein. Die ehemaligen Nahegaugrenzen waren längst verwischt. Durch Heirat entstanden bald hier, bald dort, neue Gebiete und durch Teilungsverträge wurden diese Gebiete ebenso schnell wieder voneinander gelöst.

Im Jahre 1520 teilte Johann VII. (1499-1531) das riesige Gebiet mit seinem Bruder Philipp. Philipp bekam Dhaun, die Rheingrafschaft, die Grafschaft Salm, Kirn Stadt usw., Johann behielt Kyrburg, Wildenburg, Dimringen, Mörchingen, Püttlingen, Flonheim. Gemeinsam wollten sie künftig Vinstingen und Grumbach ver-walten. Zum ersten Mal in der Geschichte wurden Dhaun und Grumbach voneinander getrennt. Ein Jahr später starb Philipp und sein Sohn Philipp Franz übernahm das Erbe. Nachdem auch Johann VII. 1531 starb, kamen Dhaun und Grumbach wieder zusammen und blieben bis 1561 unter dem Zepter des Wild- und Rheingrafen Philipp Franz. Nach seinem Tode verwalteten seine drei Söhne das väterliche Erbe zunächst gemeinsam, schritten aber 1575 zu einer Teilung. Friedrich I. erbte die Salm´schen Gebietsteile, Adolf Heinrich bekam Dhaun und Johann Christoph die Herrschaft Grumbach.

1556 trat das Wild- und Rheingräfliche Haus in Dhaun-Grumbach zum evangelischen Glauben über. Die Wild- und Rheingrafen gehörten zu den evangelischen  Fürsten, die auf dem Reichstag zu Augsburg 1548  die „reine Lehre“ gegen den Machtanspruch des Kaisers verteidigt haben. Auf diesem Reichstag wurde bestimmt, dass den Protestanten das Abendmahl mit Brot und Wein, sowie die Verheiratung der Priester erlaubt sei. Der Augs-burger Religionsfriede von 1555 überließ den evangelischen Landesherren endgültig die Regelung der kirch-lichen Angelegenheiten.

Im 16. Jh. entstanden nach Teilung der Wild- und Rheingrafschaft entstanden erneut eine kyrburgische und eine dhaunische Linie. Der für die Herrschaft Grumbach entscheidende Teilungsvertrag war der des Jahres 1574, in dem dem Wild- und Rheingrafen Johann Christoph die Herrschaft Grumbach zugesprochen wurde.
Die dhaunische Linie spaltete in die Zweige Salm, Grumbach und Dhaun. 1688 starb die kyrburgische Linie    mit Johann X. aus; ihr Besitz ging an die gesamtdhaunische Linie über.

Zunächst verwaltete Johann Christoph sein Erbteil von Dhaun aus, verlegte dann aber seinen Wohn- und Regierungssitz nach Grumbach und stiftete damit die Linie der Wild- und Rheingrafen in Grumbach. Grumbach war selbständige Herrschaft und Residenzort geworden.