»

Die Wildgrafschaft

Dieser Konrad I. nannte sich nicht mehr Gaugraf, sondern Wildgraf („comes silvester“, d.h. der für Wald und Wild zuständige Graf). Ob der wilde Charakter seines Herrschaftsgebietes ihn dazu bestimmte oder die Tatsache, daß er die Aufsicht über die kaiserlichen Forsten hatte, ist ungewiß. Das von ihm verwaltete Gebiet war die Wildgrafschaft. Er war Herr über Kyrburg, Schmidtburg, Flonheim, Dhaun und Grumbach. Dieser Konrad I. gilt als der Erbauer der Burg Grumbach.  Sein Bruder Emich (1140-1170) bezog die Baumburg im Alsenztal und nannte sich ab 1148 als „hirsutus comes“, d.h. Raugraf. Um den mächtigen Donnersberg standen die Burgen der Raugrafen, auf den Felsen des Nahetals die Schlösser der Rheingrafen und auf dem Hunsrück die der Wildgrafen. Alle drei Geschlechter besaßen eine gemeinsame Abstammung und verschmolzen in den nächsten Jahrhunderten oft miteinander.
Als Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahr 1156 seinem Stiefbruder Konrad von Hohenstaufen die Pfalzgraf-schaft bei Rhein verlieh, erweiterte sie der Kaiser im Worms-, Speyer- und Nahegau. So kamen die Wildgrafen unter die Oberlehensherrschaft der Pfalzgrafen, zu denen sie auch in verwandtschaftliche Beziehungen traten.
Der Nachfolger Konrad I. war sein Sohn Gerhard (1172-1190), der eine Tochter des Pfalzgrafen Otto v. Wittels-bach zur Frau hatte. Ihm folgte Konrad II. (1214-1263), verheiratet mit Gisela, Gräfin von Saarbrücken.
Wildgraf Konrad II. war mehrmals in Fehden gegen den Mainzer Erzbischof verwickelt: „Er lebte in dem Glauben, daß ihm die Vogtei Heimbach am Rhein mit allen Gefallen zustehe. Die Mainzer Domkirche war darin anderer Ansicht und erhob bedeutende Ansprüche. Der Wildgraf zögerte, sie zu befriedigen. Da wurde er von Erzbischof Siegfried II. mit dem Bann belegt und seine Grafschaft mit dem Interdikt, d.h. alle Gottesdienste und kirchlichen Amtshandlungen wur­den untersagt. Der Wildgraf mußte nachgeben und im Angesicht der ganzen Mainzer Kirche 1219 auf alle Ansprüche an die Vogtei Heimbach feierlich ver­zichten. Dafür wurde er als reuiger Sünder wieder in den Schoß der Kirche auf­genommen und sein Land vom Interdikt freigesprochen.“

 

Noch mehrmals wagte Konrad II. die Fehde gegen den Mainzer Erzbischof, 1239, 1242, zog aber immer den kürzeren. In der Zeit des Interregnums (1254-1273), als Wilhelm von Thüringen als Gegenkönig zum Staufer Friedrich II. auftrat, war es üblich, Reichsdomänen zu verschleudern, um Anhänger zu bestechen. Wildgraf Konrad war nicht besser oder schlechter als andere, wenn er 1255 von König Wilhelm für erwiesene Dienste das Reichenbacher Tal annahm.
Um einem späteren Erbstreit vorzubeugen, ordnete er im Jahr 1258 die Teilung der Wildgrafschaft unter seinen Söhnen an. 120 Jahre lang war die Wild-grafschaft ungeteilt geblieben. Die Brüder Emich und Gottfried, die Söhne Konrad II. teilten um 1263 das ererbte Gebiet. Emich bekam die Herrschaft Kyrburg, Schmidtburg im Hahnenbachtal und Flonheim (Rheinhessen) und führte das Wappen der „Kyrburger Löwen“ seines Vaters weiter. Gottfried erhielt die Herrschaften Dhaun und Grumbach. Er hat das Wappen durch Verminderung der Figuren und Umkehrung der Farben von der Kyrburger Linie seines Bruders unterschieden. In diesen Jahrhunderten wurde das Amt Grumbach von Rittern, adligen Dienstmannen und Edelknechten verwaltet.
Der Enkel des Wildgrafen Gottfried mit Namen Johann erwirkte für seine Stadt Grumbach im Jahre 1330 eine Freiheitsurkunde vom Reichsoberhaupt dem Kaiser Ludwig der Bayer. So konnte also der Ort Grumbach seit 1330 von Rechtswegen eine Stadt heißen. Eine Urkunde von 1363 spricht von der Burg und Stadt Grumbach.
Johann ließ sich in Händel verstricken, die sein Vetter Friedrich von Kyrburg mit dem mächtigen Erzbischof Balduin von Trier hatte. Das Streitobjekt war die Schmidtburg, die der Erzbischof durch List an sich gebracht hatte. Johann hatte seinen Gegner unterschätzt. Nachdem Balduin die Verbündeten niedergeschlagen hatte, sollte auch Johann der Garaus gemacht werden. Die Trierischen Truppen standen schon mit mächtigem Auf-gebot vor der Feste Dhaun. Da erschien als rettender Engel Kaiser Ludwig der Bayer und gebot mit starker Hand Landfrieden. Am 26.07.1342 kam es zu einem Vergleich. Johann musste einige Festungen schleifen, aber er behielt Dhaun und Grumbach. Johann starb 1350 kinderlos. Mit seinem Tode war das Geschlecht der Wild-grafen von Dhaun-Grumbach erloschen.

Diese Wildgrafen waren im 14. Jahrhundert in drei Linien geteilt, welche sich nach den Burgen Schmidtburg, Kyrburg und Dhaun nannten. Alle drei Linien starben bald im Mannesstamm aus, Schmidtburg 1330, Dhaun 1350 und Kyrburg 1408. Die Weiterführung des Geschlechts ging danach von Dhaun aus.