»

Die Nahegaugrafschaft


Die Franken teilten ihr Staatsgebiet in Landschaften, sogenannte Gaue ein. Ein solcher Gau war der Nahegau, ein beinahe kreisrundes Gebiet zwischen Mainz, Oppenheim, Alzey, Wolfstein, Altenglan, Baumholder, Ober-stein, Büchenbeuren und Bacharach. Die anliegenden Gaue waren der Rheingau, der Wormsgau, der Bliesgau, der Moselgau und der Trechirgau.

An der Spitze eines Gaues stand als höchster Beamter der Gaugraf. Er wurde vom König ernannt und mit allen Machtbefugnissen ausgestattet. Im Auftrage des Königs befehligte er das Aufgebot der bewaffneten Mannschaft, die Polizei, ordnete die Gerichtstage, überwachte den Handel und war in allen Dingen oberster Herr und Richter. Mit dem Gaugrafenamt waren Rechte verbunden an allen Einkünften aus dem Gau, aus den Gerichten, den Zöllen, dem Handel und vielen anderen Dingen. Die Gaugrafen blieben Abhängige, Vasallen des Königs. Das Amt und Gebiet, das ihnen verliehen wurde, nannte man Lehen.
Wenn ein Gaugraf gestorben war, übergab der König das Lehen an einen anderen Adeligen. Die Gaugrafen strebten aber danach, das Lehen für ihre Familie in Erbfolge zu behalten. Dieses Recht wurde ihnen 843 im Vertrage von Verdun zugesprochen. So kam es, daß in den nun folgenden Jahrhunderten die großen Gaue durch immer neue Erb- und Teilungsverträge in kleine und kleinste Herrschaftsgebiete aufgegliedert wurden.
In unserer Gegend entstanden die Herrschaftsgebiete der Grafen von Veldenz an der Mosel, Kyrburg, Schmidtburg, Altenbaumburg, Flonheim, Dhaun, Grumbach und manche andere. Die Rechte die ehemals der Gaugraf innehatte, gingen auf die kleinen Grafschaften und Ämter über, sofern nicht irgendwelche Vorbehalte gemacht worden waren.
940 wird zu ersten Mal ein Vasall Emicho, 960 und 961 der erste Gaugraf Emicho im Nahegau urkundlich erwähnt. Im Jahre 978 belehnte der salische Herzog Otto von Kärnten, Sohn Konrads des Roten,   einen Nahe-gaugrafen Emich mit dem Hochgericht der Winterhauch samt den dazugehörigen Waldungen und Herr-lichkeiten.
Der erste Gaugraf im Nahegau war Emich I. Ihm folgten mehrere Gaugrafen mit gleichem Namen. Im Jahre 1113 starb der Nahegaugraf Emich V. In dieser Zeit wurde 1081 Graf Hermann von Salm zum Gegenkönig des salischen Kaiser Heinrich IV. aufgestellt. Das Stammschloß derer von Salm liegt in der Nähe von Saarburg; Salm ist ein altes Adelsgeschlecht aus der Familie der Luxemburger. Hermann von Salm konnte sich nicht behaupten und fiel schließlich 1088 in einer Luxemburger Fehde.

Emich V. hinterließ die beiden Söhne Emich und Gerlach. Die bisher noch ungeteilte Gaugrafschaft wurde unter diesen beiden Söhnen geteilt. Gerlach erbte u.a. Altenbaumburg und Veldenz. Emich, der nun     der VI. genannt  wurde, bekam die Herrschaften Kyrburg, Schmidtburg, Flonheim, Dhaun und Grumbach. Grumbach, in einem Seitental des Glans gelegen, wird erstmals im Jahre 960 genannt. Nach seinem Tode im Jahre 1140 fielen diese Gebiete an seinen Sohn Konrad I.