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Die Gemeinde Grumbach

Grumbach, in einem Seitentälchen des Glanes gelegen, wird erstmals im Jahr 960 genannt. Es gehörte in     dieser Zeit zur Nahegaugrafschaft. Zuo dere gruonen bach (zum grünen Bach) ist die ursprüngliche Bezeich-nung. Spätere Abwandlungen sind Grunenbach, Grunbach und Grombach.
Man erzählt, dass einst der Orden der Tempelherren das Schloß in Grumbach erbaut habe. Der Wildgraf Konrad von Kyrburg, der 1242 seine Burg Grumbach dem Herzog von Brabant zu Lehen auftrug, ist vielleicht der Erbauer dieser Feste gewesen. Die Grumbacher Burg, blieb im Besitz seiner Nachfolger; und zu ihren Füßen entstand eine kleine Ansiedlung. Burgmannen hatten dort schon früh ihr Haus, und bäuerliche Hintersassen der Wildgrafen bauten ihre Hütten im Schutze des Bergfrieds. Seit den ältesten Zeiten wird in allen Urkunden bis um das Jahr 1800 unter­schieden zwischen Grumbach Schloß oder Burg und Grumbach im Tal. In den Jahren 1443 und 1448 werden Bürger im Tal zu Grumbach genannt. Im 16. Jahrhundert ist die Rede von einem Stadt-graben. Wohl war Grumbach befestigt, ob mit einer Mauer oder nur mit Palisaden, wie im 18. Jahrhundert, ist nicht bekannt. Grumbach war das Kaiserslauterer Recht zugesagt, man hörte auch 1613 von einem Wochen-markt und von Jahrmärkten in den Jahren 1614 und 1684. Auch wenn sich die Grumbacher Bürger rechtlicher Vorzüge vor den Bauern in den Nachbardörfern erfreut haben sollten, so fehlte ihnen doch die Hauptsache:    die Freiheit. Sie waren und blieben unfreie Hintersassen, arme Leute, nach dem mittelalterlichen Sprachge-brauch Leibeigene.
Grum­bach Schloß mit dem Viehhof und einigen anderen Gebäuden sowie einer klei­nen Kirche war ein erbliches Besitztum der Gau- und Wildgrafen, es diente als Wohnung für die Untervasallen, Ritter und Edelknechte der Wildgrafen. Grumbach im Tal war ein Dorf des Herrschaftsgebietes. Von 1575 bis 1792 war das Schloß die Residenz der hier re­gierenden Wild- und Rheingrafen. Viele hohe Herren und edle Frauen sind in diesen beiden Jahrhunderten hier aus- und eingegangen, der Fürst  zu Salm, der Fürst zu Nassau, die Fürstin und Pfalzgräfin bei Rhein und in Bayern, die Herzogin von Zwei-brücken und viele andere. Besonders sei erwähnt die mecklenburgische Prinzessin Louisa, die spätere Königin von Preußen.
Im Winter 1792/93 waren die in Grumbach wohnenden Grafen vor den an­rückenden Franzosen geflohen. Der Krieg ging hin und her. Auch in Grum­bach wurde gekämpft. Die kaiserlich-königlichen Truppen nahmen den Fran­zosen eine befestigte Stellung auf dem Hammelfels weg, bei dem Bürger­wald kam es zu einem lebhaften Feuer aus dem kleinen Gewehr. Die Fran­zosen mussten weichen und die sächsischen Husaren des Generals von Köhler nahmen in Grumbach Quartier. Im Schloß hatten die Franzosen schon übel gehaust und die Möbel zerschlagen, die sächsischen Husaren aber plünderten das Schloß völlig aus, zerbrachen in der Kirche den Almosenschrank, entwen­deten die Altardecken und die Kommuniontücher und hausten wie eine feind­liche Partei. Als danach die Franzosen wieder einrückten, rissen sie im Schloß alle Zwischenwände heraus und richteten ein Lazarett ein. Jammernd, hung­rig und mit bloßen Füßen kamen die meisten Kranken oft in der grimmigsten Kälte in Grumbach an. Der Schloßberg wurde zum Friedhof. Mehr als 500 Franzosen wurden hier nach und nach begraben. Das Schloß verfiel unter­dessen immer mehr, um 1800 waren Schloß und Schlosskirche eine Ruine.
Als 1834 Grumbach preußisch wurde, schenkte König Friedrich Wilhelm III. der Kirchengemeinde Grumbach 3000 Taler zum Bau einer neuen Kir­che zum Andenken an die Königin Luise, die als Prinzessin oft in Grumbach geweilt hatte. Die Kirche wurde auf den Ruinen des Schlosses der Wild- und Rheingrafen von Grumbach errichtet.

Evangelische Kirche Grumbach

 

 

 

 

 

 

 Ev. Kirche in Grumbach

Ein einziges, ehemals zum Schloß gehöriges Gebäude ist noch erhalten: das Archiv. Ein wenig schöner, hoher Bau mit massiven Mauern, einer Wendel­treppe, dunklen Gängen und vielen Winkeln. Hier wurden einst die Akten und Archivalien aufbewahrt, die teilweise erhalten blieben und sich heute in Anholt in Westfalen be-finden. Auch der Lustgarten erinnerte mit seinen hohen Linden an vergangene Zeiten.
Schon 1598 hatten die Wild- und Rheingrafen von Dhaun und Grumbach gemeinsam eine Schulordnung erlassen und darin „nach des Ortes Gelegen­heit die Errichtung von Knaben- und Mägdleinschulen“ gefordert. Anfangs gab es nur eine Schule in Herren-Sulzbach, die auch von den Kindern in Grumbach besucht wurde.    In einem Bericht aus dem Jahre 1816 heißt es: „Im Anfang des vorigen Jahrhunderts hatte Grumbach keine eigene Schule, Kinder mussten von Grumbach wie auch von 9 anderen Dörfern nach Sulzbach zur Schule  gehen. Durch ein Vermächtnis einer französischen Sprach­meisterin am Hof, Gilbret mit Namen, wurde die Gemeinde erst in den Stand gesetzt, eine Schule zu errichten. Die Kinder von der Gemeinde Hausweiler wurden sogleich zur Grumbacher Schule gezogen.“ Welches das erste Schulgebäude war und ob es noch erhalten ist,    ist nicht bekannt. Die bisherige alte Schule war ehemals ein wild- und rheingräfliches Verwaltungsgebäude.                   Bei der Versteigerung des herrschaftlichen Grundbesitzes um 1800 durch die Franzosen veranlaßte der damalige Bürgermeister Hugo Kühlenthal den Kauf dieses Hauses. Die Wohnräume dienten forthin als  Pfarrer-
und Lehrerwohnung, der Saal als Schule und Raum für den sonntäglichen Gottesdienst. Die Unterrichtsfächer waren Rechnen, Schreiben, Lesen, Religion, Singen, außerdem „Aufklärung des Verstandes nach Anleitung der besten Jugendschriften“ so­wie auf Verlangen Französisch. Von Anfang an wurde in Grumbach Unterricht durchs ganze Jahr hindurch erteilt.
Eine selbständige Kirchengemeinde Grumbach gibt es erst seit 1808. Grum­bach im Tal war ein Dorf der Kirchengemeinde Sulzbach. Grumbach Schloß hatte eine eigene kleine Kirche, in der sonntäglich Gottesdienst gehalten wurde für die Bewohner und Bediensteten des Schlosses. Die eigentliche Hof­kirche war die viel größere in Herren-Sulzbach. Der Pfarrer von Sulzbach war auch zugleich der Hofprediger von Schloß Grumbach.
Die Einwohner von Grumbach waren rechtlich unfrei und leibeigen, d. h. ihrem Grundherren mit Hab und  Gut, Leib und Leben verfallen und ver­pflichtet. Sie teilten dieses Los mit allen sogenannten „armen Leuten“   des ganzen fränkischen Reiches. Nur ganz selten wurden einzelne Familien oder gar ganze Ortschaften von der Leibeigenschaft „gefreit“. Eine Freiung konnte nur vom Kaiser ausgesprochen werden. Das geschah im Jahre 1330 auf Bitten des Wildgrafen Johann I. von Dhaun-Grumbach für die beiden Orte Grum­bach und Offenbach.

                Der Freiheitsbrief hatte folgenden Wortlaut:

„Wir Ludwig von Gots gnaden Romischer cheyser ze allen ziten merer dez richs, veriehen offenbar an disem brief und tun kunt allen den, die in an sehent oder horent lesen, daz wir von besundern gnaden durch bet des edlen mannes Johansen, des Wilden greven, unsers lieben getriwen, im und sinen erben die stat ze Grumbach geehaft und gefreyt haben und ehaften und vreyen von cheyserlichem gewalt mit diesem gegenwärtigem brief, also daz di selbe stat und alle die, di dar inne wonend, die reht und vreyunge haben sullen, als unser und des richs stat Cheysersluter hat und gevreit ist. Und dar über ze einem urchunde geben wir in disem brief versigelten mit unserm cheyserlichen insigel der geben ist ze Hagenowe dez nehsten suntags nah sant Ja­cobs  tage dez zweifboten, do man zalt von Christes geburt driutzehen hundert iar, darnah in dem dreizzigestim iar,  in dem sehzehen iar und in dem dritten des cheysertumes.“
So konnte Grumbach von Rechts wegen seit 1330 eine Stadt heißen. Eine Urkunde von 1363 spricht auch von Burg und Stadt Grumbach. Es fehlen aber alle Merkmale, die das Wesen einer mittelalterlichen Stadt bestim-mten, ins­besondere die tatsächliche Befreiung der Bürger aus der Leibeigenschaft. Die Untertanen blieben unfreie Hintersassen, Leibeigene.

Auch der Freiheitsbrief von 1708 und die nächstfolgenden Freiheitsbriefe lösten die Untertanen nicht aus der Leibeigenschaft, sie sind lediglich als eine Verbriefung von Gewohnheiten und bisher ungeschriebenen Rechten zu werten, die sich im Laufe der Zeit herausgebildet hatten.
In dem erwähnten Freiheitsbrief von 1708 wird in einem längeren Vorwort gesagt, daß das Tal Grumbach dem Ruin und Untergang nahe sei und darum eine neue Form eingeführt werden solle.
Es heißt dann weiter:
„Erstlichen ist bekandt, dass dieses ortts Einwohner gleich alss alle Unsere Unterthanen Unss mit der Leibeigenschafft zugethan, alss soll solche hiermit gäntzlich cessiren undt annulliert undt Sie in bürgerlichen standt gesetzt und erhoben, von allen herrschafftlichen fröhnden ohne unterscheidt, doch den höchst benöthigten sich zutragenden fall Unss reservirend exempt und befreiet.“ Es folgen Hinweise auf das Marktrecht, auf weiter bestehende Verpflichtungen, auf Gebote und Verbote und die Festsetzung des Strafmaßes für bestimmte Vergehen.
                              
Unterschrift: Grumbach, den 7ten Januar Eintausendsiebenhundert und acht.
                                                               Leopold Philips Wilhelm Wild- und Rheingraf.

 

Der Wild- und Rheingraf Carl Walrad Wilhelm bestätigt in einer Randbe­merkung vom 12. Januar 1729 den Freiheitsbrief, ebenso Carl Ludwig am 30. Dezember 1763.
Durch diese Freiheitsurkunde wurde Grumbach keine Stadt und auch nicht als solche bezeichnet. In dem amtlichen Schriftverkehr heißt es immer nur Flecken oder Landgemeinde. Die Freiheitsbriefe haben also nur den Wert ge­schichtlicher Erinnerungen.
In einem Güterverzeichnis der Wild- und Rheingräflichen Liegenschaften aus dem Jahre 1605 wird mehrfach ein Schloßgraben erwähnt beim Schloß Grum­bach, in dem Freiheitsbrief von 1708 wird den Bürgern aufge-geben, Tor und Palisaden in einem guten und nutzbaren Zustand zu erhalten.
Das Schloß bedurfte an seiner Südseite keiner besonderen Befestigung wegen des dort befindlichen Steilhanges. An der Nordwestseite befand sich das Ar­chivgebäude mit einem hohen und fest gefügten Mauerwerk, das hinreichend Schutz vor angreifenden Feinden bot. Die andere Seite aber, wo der Schloß­hof lag, war offen, hier mussten künstliche Befestigungen geschaffen werden, wenn das Schloß nicht schutzlos sein sollte. Das ist auch geschehen. Hier war ein Graben und vor oder hinter diesem Graben eine palisadenartige Befestigung mit einem                           
Durchlass, dem Tor. Das eigentliche Dorf jedoch, Grumbach im Tal, ist nie befestigt gewesen. In der Nähe von
Grumbach befindet sich eine Quelle mit schwefelhaltigem Wasser. Nach der Sage sollen die Wild- und Rhein-grafen von Grumbach an­fangs diese Quelle in einem guten Zustand erhalten, sie aber nachher „wegen   des da-durch herbeigezogenen übermäßigen Besuches befreundeter Standes­genossen“ vernachlässigt haben. Um 1817 habe ein holländischer Hauptmann die Quelle neu fassen lassen aus Dankbarkeit dafür, daß seine seit vielen Jahren kranke Tochter durch den Genuss dieses Wassers wieder genesen sei.
Die zu dem Ort Grumbach gehörenden beiden Höfe Windhof und Sonnhof haben ihre Namen mit Recht aus dem Naturleben abgeleitet. Der Windhof - Wimberg über die Hoe und nachher Windberger Hof - wird 1417 urkundlich erwähnt als ein Lehen, das an die Boos von Waldeck gegeben wird. Um 1700 sind beide Höfe im Besitz der Wild- und Rheingrafen von Grumbach und wer­den von Hofleuten verwaltet. Bei der Versteigerung der herrschaftlichen Gü­ter erwarb der Pfarrer Krieger aus Kappeln den Sonnhof, der Windhof kam an einen Ackerer aus Grumbach.

Grumbach um 1890

 

 

 

 

 

 

-Grumbach um 1890-