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Die Münzen der Linie zu Grumbach

Die beiden Grafen Johann (*1582, +19.01.1630) und Adolf (*1585, +15.04.1621), die Söhne des Wild- und Rhein-grafen Johann Christoph und Gräfin Dorothea von Mansfeld, hatten die Mehrzahl ihrer Besitzungen geteilt, aber das Münzrecht wurde gemeinsam unter Führung des älteren Bruders Johann ausgeübt, wie auch die Inschrift der Münzen ergibt.
Die Prägestätte befand sich nach dem Bericht des General-Kreiswardeins Wolf Krämer 1607 in Alsenz. Die Grumbachischen Prägungen in Alsenz begannen nach den Probationsberichten in den ersten Tagen des Oktobers 1606. Dass damals wirklich die erste Ausprägung stattfand, geht aus der Tatsache hervor, dass man verhältnismäßig viel Taler schlagen ließ. Man wollte damit bei den Probationstagen einen guten Eindruck hervorrufen. Nachher stellte man nur noch kleine Münzen her.
Die Probationsberichte reichen bis zum 20. Januar 1609, erwähnen aber die Albus mit der Jahreszahl 1609 nicht, ebenso wenig die wahrscheinlich nach dem Kurpfälzer Vorgehen von 1608 und 1609 ge­prägten Pfennige. Darnach ist anzunehmen, dass man am 20. Januar 1609 die Prägetätigkeit nicht abschloss, sondern in demselben Jahre wenig­stens noch die Albus und Pfennige münzte. Aber weit über das Jahr 1609 hinaus hat sie wahrscheinlich sich nicht ausgedehnt, denn kein Dreikreuzerstück, die am meisten geprägte Münzsorte und die einzige mit dem Namen eines Kaisers, nennt einen andern als den am 20. Januar 1612 verstorbenen Kaiser Rudolf II. Ferner führt der General-Kreiswardein Wolf Krämer unter den im Jahre 1611 besuchten Münzstätten nur noch die dhaunische zu Wörrstadt auf. Wäre die nicht weit ent­fernte Grumbachische zu Alsenz noch in Tätigkeit gewesen, so hätte er sie sicher auch besucht und in seinem Bericht erwähnt. Sie ist also spätestens Mitte 1611, wahrscheinlich schon Ende 1609 geschlossen worden.
Von Münzbeamten der Alsenzer Prägestätte kennt man nur drei:
1. Anthoni Eisenbein, Münzmeister. Der Münz-Probations-Abschied vom 23. April (3. Mai) 1607 sagt von ihm: „Ebenmäßig hat beyder Herren Rheingrauen Herren Johann Christophen vnnd Adolphen, Ge­brüder, Abgesandter Anzeig gethan, daß Anthoni Eißenbein, so dem Craiß wohlbekannt, gelobt und geschwohren gewesen, mit todt abgangen; Wolten derowegen Iren Wardein zum Münzmeister, vnnd ein andern zum Wardeinen annehmen, vnnd alsdann beede zur Fürstlich Wormbsischen Canzley schicken, mit gewöhnlichen Pflicht unnd Aiden beladen lassen“.
1592 war Eisenbein, gebürtig aus Northeim, durch Graf Johann Ludwig von Nassau-Wiesbaden als Münzmeister angenommen. Später soll Eisenbein für Graf Ludwig II. von der Weilburger Linie geprägt haben.
Von Anthoni Eisenbein sind die ersten Münzen der Rheingrafen Johann und Adolf geprägt worden, wahrscheinlich Nr. 176 - 180.
2. Georg Gustav Preuel von Lautereck, Münzmeister und
3. Georg Wolkenhauer von Stockau bei Hannover, Wardein. Beide sind 1609 angenommen.

 

Grumbacher Münzen

 

 

 

 

 

 

Unter dem Rheingrafen Karl Walrad Wilhelm (geb. 10. Oktober 1701, gest. 11. Juli 1763), Sohn von Karl Ludwig Philipp und dessen erster Gemahlin Wilhelmine Henriette von Nassau-Usingen, vermählt mit Gräfin Juliane Franziska Leopoldine Theresia von Prösing und Limpurg wurden im 18.Jh. wieder Münzen als Zahlungsmittel geprägt.
Das sehr günstige Urteil des Superintendenten Spener über die Persönlichkeit des Rheingrafen Karl Walrad und dessen Gemahlin (vergl. C. Schneiders Geschichte des Wild- und Rheingräflichen Hauses, S. 270) sprechen dafür, dass bei der bescheidenen Ausprägung in den Jahren 1762 und 1763 keineswegs eine unredliche Absicht vorliegen kann, sondern nur die Wahrung des seinem Hause zustehenden Münzrechts gesichert werden sollte. Dennoch erließ die Stadt Frankfurt, die 1762 den Conventionsfuß eingeführt hatte und damit dem schon um ein Jahr älteren Beispiele der Kurpfalz gefolgt war, folgendes Verbot der beiden unter Nr. 199 und 200 verzeichneten rheingräflich-grumbachischen Münzen:
„Wir Burgermeister und Rath dieser des Heil. Reichs Freyer Stadt Franckfurt, fügen hiermit jedermänniglich zu wissen;
Nachdeme Wir mi ßfällig wahrgenommen, daß einige geringhaltige Rhein- und Wildgräflich-Grumbachische 4 und 12 kr. Stück sich in hiesiger Stadt zum Schaden des Publici einzuschleichen neuerlich angefangen, Wir aber diesem nachtheiligen Cours keineswegs nachsehen, vielmehr nicht entstehen können, benanndte Rhein- und Wildgräflich-Grumbachische 4 und 12 kr. Stücke, wie hiermit beschiehet, gäntzlich zu verrufen, und zu deren desto besseren Käntniß einen Abdruck hier anzufügen;

Als hat sich hiernach jedermann um so mehr zu richten, als man fürohin diese verrufene Sorten auf den Betretungs-Fall ohne Anstand confisciren wird“.

Grumbacher Münzen

Zwölfkreuzer 1762
RHEINGR=GRUMB. Der gekrönte ovale, mit henkelartigen Ver­zierungen versehene gevierete Wappenschild: 1,4: Löwe links (in schwarz) 2, 3: Löwe links (in gold).
Ks.    LAND : MUNZ .  1762.    Im  Felde:   XII / KREU / ZER / S / umgeben von einer geschnörkelten Verzierung.
25 mm.    Dresden.
Die Kehrseite dieses Zwölfers ist den von Pfalz-Zweibrücken, Brandenberg-Sayn, Nassau-Weilburg, Baden-Durlach, Wied-Neuwied und anderen gleichwertigen Stücken aus den Jahren 1757 - 1760 sehr ähnlich.

Vierkreuzer 1762.
Die Buchstaben R W R aneinandergehängt, darüber eine Krone mit fünf Fleurons und die Buchstaben R C G . Unten eine geschnörkelte Ver­zierung. Ks. LAND = MUNZ Im Felde: 4 / KREUZ / 1762 / S / in einer geschnörkelten Verzierung. 20,6 mm.

Zwölfkreuzer 1763.
RHEINGR • = GRUMB.   Gekrönter ovaler Schild wie bei Nr. 199. Ks. Oben herum: LAND : MUNZ . 1763 . Im Felde: XII / KREU / ZER / s /    in einer Rococoverzierung.

25,8 mm.    Dresden.

Den veränderten Verhältnissen Rechnung tragend beschloss Rhein­graf Karl Walrad die Prägung neuer Münzen nach dem Conventionsfuße und schrieb unter dem 6. Mai 1763 von Grumbach aus an die Stadt Frankfurt:
„Ich sehe vor gut an, zu Ausübung der meinem Gräfl. Hauß zu stehenden Münz-Gerechtigkeit eine Parthie Conventions-Gelder in Thalern, Gülden, auch ganzen und halben Kopfstücken ausprägen zu laßen".
Er fragt dann weiter an, ob und zu welchem Preise man in Frank­furt für ihn münzen wolle. Die Stadt antwortete zustimmend, stellte je­doch die Bedingung, dass höchstens l/5 des zu vermünzenden Silbers in ganzen und halben Kopfstücken, das übrige in Taler- und Guldenstücken ausgeprägt werde. Der Münzmeister Trümmer habe nach langen Ver­handlungen sich bereit erklärt, die Mark fein Silber für 20 Kreuzer (l Kopfstück) zu vermünzen.
Wäre Graf Walrad auf die gestellte Bedingung, dass 4/5 des Silbers in groben Sorten vermünzt werden müssten, eingegangen, so hätte er nicht nur keinen Gewinn bei der Ausmünzung erzielt, sondern wohl noch etwas Zubuße leisten müssen. Er wandte sich daher an einen ändern Ort, der bisher noch nicht festgestellt werden konnte.

Zehnkreuzer 1763.
CARL WALRAD W•Z•D•V•K•R•Z•ST•G•Z•S•  (Wildgraf zu Dhaun und Kirburg, Rheingraf zum Stein, Graf zu Salm).
Büste links mit langem, gelocktem Haar.    Unten am Rande: K.
Ks. 120 • ST . EINE = FEINE MARK •
Gekrönter und verzierter, auf einem Gestelle stehender ovaler Rococoschild, geviert 1,4 ungekrönter Löwe links in schwarz tingiertem Felde - 2, 3 gekrönter Löwe links in gold tingiertem Felde. Das mit Lorbeer- und Palmzweig besteckte Gestell trägt an der Vorderseite die Wertziffer 10 [Kreuzer] und daneben steht im Felde C = S• - unten: • 1763 •
25 mm 3,91 g.    Varlar.

Grumbacher Münzen