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Die „armen Leute“ im Amt Grumbach

In der fränkischen Zeit werden in dem Gesamtbild des damaligen staatlichen Lebens verschiedene Stände erkennbar,die sich in ihrer Lebenshaltung und Rechtsstellung durch Rechte für die einen und Pflichten für die anderen immer mehr voneinander abgrenzen.
Den obersten Stand bildeten die Herzöge, die Grafen, der höhere Adel und die höhere Geistlichkeit. In der Hand dieses obersten Standes war aller nur erdenkliche Reichtum und die mit dem Reichtum verbundene Macht und Regierungsgewalt vereint.
Die kleinen Untervasallen, Ritter, Edelknechte, Freie und Halbfreie bildeten den 2. Stand. Sie verwalteten die Lehen ihrer Herren und waren zum Kriegsdienst verpflichtet. Viele von ihnen hatten auch kleinere Eigengüter, sogenannte Hüben, die sie von Hofleuten verwalten ließen. Allein im Amt Grumbach gab es etwa 15 solcher Hüben, die im Besitze fremder Herren waren. Sie selbst wohnten irgendwo in den Städten oder auch in ihren Burgen und lebten in den ritterlichen Tugenden des frühen Mittelalters. Ihre Einkünfte waren oft nur gering, so dass manche verarmten und mit der Zeit sogar leibeigen wurden. Andere vergaßen ihre Rittertugenden und suchten sich mit Gewalt das zu nehmen, was ihnen das Schicksal vorenthalten hatte, sie wurden zu Raubrittern und Blutzapfern. Raubritterburgen waren die St. Michelsburg bei Kusel mit dem Ritter Albrecht (1150), die Burg Montfort bei Odernheim und Burg Nohefels bei Sobernheim.

In einem Gerichtsweistum von 1429 weist der Schöffe, wohin der „Arman“ oder wohin die „armen Leudt“ ihr Getreide abliefern sollen. In vielen anderen Urkunden, Pfändungsniederschriften, Kaufverträgen und Güter-verzeichnissen begegnen wir derselben Bezeichnung: „arme Leudt“.
Die Bezeichnung „arme Leute“ war ursprünglich kein Hinweis auf eine vorhandene Mittellosigkeit, obwohl die „armen Leute“ immer mittellos gewesen sind. Diese Bezeichnung war vielmehr eine Standesbezeichnung für den untersten 3.Stand.

Der Bauer war ursprünglich ein freier Mann auf seiner Scholle. Durch das Lehnswesen geriet er immer mehr in die Abhängigkeit der Grund- und Gerichtsherren. Er verlor nicht nur seinen Grund und Boden, sondern auch seine persönliche Freiheit und wurde seinem Herrn leibeigen. Irgendwelche Rechte hatten die Leibeigenen nicht. Sie waren in allen Dingen ihres Lebens der Willkür der Herren ausgeliefert, sie waren der Ware gleich geachtet und konnten gekauft und verkauft, verliehen und verpfändet werden. Ihrem jeweiligen Herrn hatten sie die Dienste zu leisten, die er von ihnen forderte.
Die einen mussten Haus- und Stalldienste tun, die Leibwache stellen, handwerkliche Arbeiten verrichten, den Herrn auf seinen Reisen begleiten u.a.m. Diese Leute nannte man Hausbediente. Aus ihnen sind die sp äteren Hintersassen hervorgegangen. Die anderen hatten das Land ihrer Herren zu bestellen.
Daf ür wurden ihnen einige Äcker und Wiesen überlassen, von denen sie aber bestimmte Abgaben zu leisten hatten. Diese Leute waren die Feldbauern. Später nannte man sie Gemeinsleute. Nur sie hatten einen Anteil an dem Eigentum der Gemeinde.

Der jeweiligen rechtlichen Stellung entsprach auch die Lebensweise der Leibeigenen. Viele Jahrhunderte wohnten sie in kleinen Hütten, aus Holz und Lehm zusammengefügt und mit einem Strohdach versehen. Keller und gedielte Boden waren unbekannt. Eine offene Feuerstelle diente zur Beleuchtung des Raumes.
Das Geschirr, Teller und Sch üsseln, fertigte man aus Holz. Ihre Kleidung bestand aus roh gewebten Tuchen. Die Nahrung beschränkte sich auf das, was Feld und Wald boten, dazu etwas Fleisch. Aus Honig bereitete man ein bierartiges Getränk. Ihrem Herrn mussten sie oft durchs Jahr dienen, das Feld bauen, säen, die Frucht abschneiden und in die Scheune fahren, Holz hauen und Gräben machen.
Mit der Zeit aber, etwa von 1500 oder 1600 ab, hatte manches Harte und Starre in den Verh ältnissen der Leibeigenen eine geschmeidigere und mildere Form angenommen. Der Herrenwillkür waren manche Schranken gesetzt und aus der gelinderen Praxis erwuchsen Gewohnheiten und auch Rechte. Die Untertanen waren freier geworden bei der Schließung des Ehebundes, der Übersiedlung in fremde Gebiete, sie konnten sich von manchen Pflichten, die sie früher hatten, loskaufen, sie konnten Grund und Boden erwerben, an Wald- und Weidege-meinschaften teilhaben, als Urteiler und Schöffen in Gericht sitzen, die Handwerker konnten sich mit Erlaubnis ihres Landesherrn zu Zünften zusammenschließen u. a. m.
In diesen Jahrzehnten der sich allm ählich vollziehenden Milderung der Leibeigenschaft werden auch die Lebensbedingungen leichter. Die Geräte werden verbessert, es gibt nun schon richtige Pflüge, die von Pferden oder Kühen gezogen werden, an die Stelle der hölzernen Geschirre treten solche aus Kupfer oder Zinn, man legt mehr Wert auf gute Kleidung, das Essen wird abwechslungsreicher, bei Festlichkeiten kann man sogar mit besonderen Leckerbissen aufwarten, man lebt nicht mehr wie früher auf der untersten Stufe des menschlichen Daseins.

Es gab auch manche Freuden und Belustigungen. Familienfeste, Taufen und Hochzeiten, wurden bald so ausgiebig gefeiert, dass dem von amtswegen Einhalt geboten werden musste. Nach der Erfindung des Schießpulvers bildeten sich in unseren Dörfern Schützenvereine, die sich in der Handhabung des Zielrohres übten. Die Ortschaften wetteiferten um das Lob, die besten Schützen zu haben und luden sich gegenseitig zum Preis-schießen ein. Dem Sieger wurde ein Ehrenkränzlein zuteil. Solche Tage waren Volksfeste für die Alten und Jungen und überall sehr beliebt. Es gab auch Spiele mancherlei Art, auf dem Brett, mit der Karte und mit Würfeln. Eine Kegelbahn hatten fast alle Gastwirtschaften. Bei den Kirchweihfesten ging es hoch her. Darüber liegen viele Berichte vor wie auch Klageschriften über Unbotmäßigkeiten. Die Märkte auf dem Hohenröther-Hof und in Offenbach waren beliebte Festtage in dem sonst eintönigen Leben der Bauern.

Und wenn im Herbst der erste Schnee gefallen, dann nahmen die Männer die Dreschflegel zur Hand, um das Korn für das tägliche Brot auszudreschen. Es gibt heute in unseren Dörfern noch Scheunen, in denen Jahr-hunderte lang das Korn mit dem Flegel gedroschen wurde. Dann war die Zeit gekommen, da die Frauen und Mädchen in der warmen Stube vor dem Spinnrad saßen und die langen Fäden durch die arbeitsmüden Hände gleiten ließen. Und an den langen Abenden gesellten sich die jungen Mädchen aus der Nachbarschaft hinzu und die Buben fehlten auch nicht in dem Kreis der fröhlichen „Maye“. Beim Surren der Spinnräder wurden manche Neuigkeiten ausgetauscht und besonders viele frohe Lieder gesungen. Diese „Mayen“ von damals sind die Pflegestätten des Volksliedes in unseren Dörfern gewesen. Man kann ihren Wert nicht hoch genug anschlagen, wenn man auch zugeben muss, dass nicht nur Schafwolle gesponnen wurde, sondern auch manches andere Garn. Die Spinnräder stehen heute verstaubt auf den Speichern, das alte Brauchtum wird nicht mehr gepflegt, aber die Bezeichnung „mayen gehen“ ist noch bekannt.

Der Bauernstand blieb trotz all dieser unverkennbaren Fortschritte und Erleichterungen ein mühseliger Stand.
Alle Arbeiten erforderten von früh bis spät, jahraus und jahrein, den starken Arm des Landmannes. Für ihn gab es keine Ruhe. Der erste Sonnenstrahl rief ihn in seine Arbeit und das Tagewerk war erst vollbracht, wenn das Dunkel der Nacht sich auf Flur und Feld lagerte.
Innerhalb des Standes der „armen Leute“ werden seit etwa 1650 zwei voneinander verschiedene Berufsgruppen erkennbar. Die eine Berufsgruppe ist die der Landwirte, die andere die der Handwerker. Sicherlich gab es auch bei uns schon in früheren Zeiten die verschiedenen Berufe, aber sie traten als solche nicht in Erscheinung.
Mehr und mehr werden von jetzt ab in den Registern die Namen in Verbindung mit den Berufen genannt. Unter den bäuerlichen Berufen steht der des Hofmannes an erster Stelle. Der Hofmann war der Verwalter oder später der Besitzer eines großen Hofgutes. Die kleinen Bauern nannte man Ackerer. Sie sind die ehemaligen Feldbauern ihrer Herrschaft, die später etwas Eigenbesitz erworben haben. Die Ackerer oder deren Familienan-gehörige verdingten sich oft als Tagelöhner bei den Hofleuten.
Einem Tagelöhner musste der Hofmann die Kost und 32 Pfennig Lohn für einen Tag geben. Im Jahre 1618 beschwerte sich ein Hofmann, seine Tagelöhner würden zuviel essen.
Er schrieb: „6 Mann verbrauchten an einem Tage 8 Brote, 6 Pfund Dörrfleisch, 3 Pfund Stockfisch, 4 Käse, 8 Pfund Erbsen, dazu Butter, Eier und Sauerkraut.“
Ein besonderer und für das dörfliche Leben sehr wichtiger Beruf war der des Hirten. Jedes Dorf hatte einen oder auch mehrere Hirten, die die Aufgabe hatten, die Kühe, Schafe und Schweine auf den weiträumigen Weiden oder in den Wäldern zu hüten.
Die Hirten waren wandernde, heimatlose Menschen, die oft von weither, vielleicht ganz zufällig in unsere Gegend gekommen waren, um hier ein karges Brot zu verdienen. In jedem Jahr wurden sie neu gewählt, meist in der Form, dass die Hirtenstelle an den niedrigst bietenden Bewerber vergeben wurde. So erklärt es sich, dass wir dieselben Hirten bald in Grumbach finden, bald auf dem Hohenröther-Hof oder sonst wo hier in einem Dorf. Es kam auch vor, dass die Hirten viele Jahre an einem Ort blieben, wenn sie sich das Vertrauen der Bauern erworben hatten. Zu ihrem Unterhalt wurde ihnen ein Stückchen Gemeindeland zur Bewirtschaftung über-geben, außerdem bekamen sie von jedem Stück Vieh, das sie weideten, einen geringen Lohn.
Das Hirtenhaus, das von der Gemeinde unterhalten wurde, war die Wohnung des Hirten. Die alten Hirten-häuser sind alle verfallen, und nur wenige Leute wissen noch, wo sie einst gestanden haben.

Neben den bäuerlichen Berufen treten nun auch die handwerklichen Berufe in Erscheinung. Da sind die Maurer, Zimmerleute, Schmiede, Schneider und Schuhmacher, Wagner und Leineweber, die Stroh- und Leyen-decker, Büchsenmacher, Vogelfänger und in Grumbach noch ein Goldschmied. Bäcker und Metzger gab es nur am Hof. Die Leute in den Dörfern backten ihr Brot und schlachteten ihr Vieh selbst. Von anderen Berufen, die von Einheimischen ausgeübt werden, erfahren wir aus den Registern noch nichts.

Den Stand des Arbeiters hat es damals nicht gegeben. Eine besondere Belastung für die „armen Leute“ waren die Steuern und Abgaben mancherlei Art. Es gab kaum etwas, von dem nicht irgendwelche Steuern bezahlt werden mussten.

Die älteste Steuer ist wohl der „Zehnte“, eine Last, die auf dem bebauten Grund und Boden lag. Zehntpflichtig waren die Halbfreien und die Leibeigenen von allen Äckern und Feldern, die sie bebauten, von vielen Garten-früchten und von dem Vieh, das sie aufzogen. Man machte einen Unterschied zwischen dem großen und dem kleinen Zehnten. Der große Zehnte, der ursprüngliche, erstreckte sich auf Roggen, Hafer und Wein, der kleine Zehnte auf Obst und  Gartenfrüchte sowie Kälber, Lämmer und Ferkel.
Von all diesen Dingen musste der zehnte Teil abgegeben werden, entweder unmittelbar in die Hofküche nach Grumbach oder in die Zehntscheune des Dorfes. Auf pünktliche und gewissenhafte Ablieferung wurde streng geachtet und auch darauf, dass nur die besten Früchte und die vollsten Garben abgegeben wurden. Der gräfliche Keller (Einnehmer) ging selbst durch die Felder und suchte sich die Garben heraus, die er haben wollte. Steuerhinterziehung wurde streng bestraft. Johann Nickel Grill von Offenbach tat bei der Traubenernte nur jede 15. Trage in die Zehendebütt. Er hatte nicht bemerkt, dass man aufgepaßt hatte und musste seinen Frevel mit einigen Goldgulden bezahlen. Georg Schneider von Hundheim hatte zuerst seine eigene Butt gefüllt und dann erst einen entsprechenden Teil in die Zehendebütt getan. Diese Unordnung kostete ihn 2 Gulden.

Weiterhin mussten die Untertanen für Schutz und Schirm das Schirmkorn bezahlen, eine Pfundsteuer lag auf Kälbern, Schweinen, Mehl, Holz und auf allen Krämerwaren, die Bede oder der Rauchhafer war eine Art Haussteuer, die von jedem rauchenden Kamin erhoben wurde. Das Besthaupt war das Anrecht des Herrn auf einen Teil des Nachlasses eines Verstorbenen. Gewöhnlich nahm man den Hinterbliebenen das beste Stück    Vieh weg. Andere Steuern waren die Versorgungssteuern für Herrenkinder, die Wittumssteuer, die Ein- und Auszugssteuer, das Glocken- und Küsterkorn für die Kirche und viele andere. Lustbarkeitssteuern wurden für das Kegelschieben und Tanzen erhoben. Bei Familienfesten war die Zahl der Tische, die für die Gäste bestimmt waren, genau festgesetzt. Für jeden weiteren Tisch, der aufgestellt wurde, musste wieder bezahlt werden. Auch die wandernden Gewerbe wurden zur Steuer herangezogen.                                                           
Aus einer Renteirechnung des Jahres 1772/73 erfahren wir, dass das Lumpensammeln auf 10 Jahre, das Saitenspiel auf 3 Jahre, das Kesselflicken, der Handel mit Kurzwaren, das Scherenschleifen usw. erst gegen Be-zahlung einer entsprechenden Steuer vergeben wurde.
Die Juden hatten außer den üblichen Steuern noch solche für Schutzbriefe zu zahlen, wenn sie in ein fremdes Gebiet reisen wollten. Dem Juden Abraham aus Offenbach wurden 1548 für einen erteilten Schutzbrief 20 Gulden abgenommen, ebenso mussten 1750 die Kirrweiler Juden ihren Geleitbrief teuer bezahlen, als sie in     die Sponheimische Herrschaft reisen wollten. Dieser Geleitbrief hatte nur für 4 Tage Gültigkeit.
Ein sehr starkes Hemmnis für die Entwicklung des Handels waren die Ein- und Ausfuhrzölle. Das Amt      Grumbach bildete ein eigenes Zollgebiet. Zollstationen waren bis 1793 in Niederalben (Neuwirtshaus), Eschenau, Offenbach, Grumbach, Kappeln, Hohenrötherhof, Ilgesheim usw. Alles, was aus- und eingeführt wurde, war zollpflichtig. Nur an den Markttagen wurden gewisse Erleichterungen gewährt. Die Zölle waren so hoch, dass bei der Vielzahl der Zollstationen, die manchmal passiert werden mussten, sich kein Handel lohnte. Wer die Zollstationen heimlich zu umgehen versuchte, wurde bestraft. Der Zöllner Johann Nikol Schneider von Hohenröther Hof führte 1745 eine Anzahl Obersteiner Fuhrleute vor, die versucht hatten, Hafer in die hiesige Grafschaft zu schmuggeln. 1746 wurde Jakob Schuler von Hundsbach mit 4 Unzen l Gulden bestraft, weil er von Niklas Schneider aus Kappeln ein paar Ochsen ertauscht und den schuldigen Zoll davon nicht entrichtet hatte. Nickel Ursel von Neunkirchen wollte einen Wagen Bretter hier einführen, ohne den Zoll zu bezahlen.
Er wurde von dem herrschaftlichen Zöllner auf dem Sonnhof arretiert und hoch bestraft. Die Akten des Grumbacher Gerichtes erzählen von sehr vielen Prozessen wegen Zollhinterziehung.
Zu diesen Abgaben, Steuern und Zöllen, die in barem Gelde bezahlt werden mussten, sind die Leistungen durch Frone zu rechnen. Frone sind Dienste, die dem Herrn unentgeltlich zu leisten sind. Man kann nicht genau feststellen, wieviel Tage im Jahr für die Herrschaft gearbeitet werden musste. Das Weistum der „Grombacher ampts dorfer“, aufgeschrieben im Jahre 1515, sagt darüber: „Item eyn iglicher ackermann soll fronen zu vier malen im jar im acker und 4 dag sust im wingart und anderem; aber der jhene der nit pherd oder ackergangk hett, der ist den hern 4 dag zu hacken schuldig und 4 dag zur erren schnyden oder haber mehen und l dag grais mehen.“
Darüber hinaus waren die Gemeinsleute und Hintersassen noch verpflichtet, die Wege zu bauen, Gräben zu machen, im Wald zu arbeiten, das Pflaster zu erhalten u.a.m.
All die Abgaben und Steuern und besonders die Fronpflicht lagen wie eine schwere Last  auf den Schultern der „armen Leute“. Diese Dinge waren fast unüberwindliche Schranken, die vor ihnen aufgerichtet waren, die sie in ihrer Entwicklung und in ihrem Fortkommen hemmten und ihnen immer wieder ihre Abhängigkeit, ihre Leibeigenschaft vor Augen führten. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß alle Dinge des Lebens nur aus  den Anschauungen und dem Empfinden der Zeit heraus zu verstehen sind, in der die Menschen  jeweils leben. Die Leibeigenschaft war nicht nur eine Last, sie war auch ein schützender Panzer. Aus dem Bewußtsein, leibeigen zu sein, erwuchs den Menschen jener Jahrhunderte eine Unempfindlichkeit, die von unserem heutigen Denken aus zwar nicht mehr verstanden wird, jenen aber ihr Los erträglich machte.
Nachdem 1792 alle Schranken gefallen waren, war auch hier der Weg für eine neue Entwicklung frei geworden.