»

Grumbacher Ordnungen

Zwei Grumbacher Gemeindeordnungen sind uns überliefert, eine kürzere aus dem Jahre 1705 und eine aus-führlichere ohne Datum, wahrscheinlich aus der Zeit um 1765.

Aus den Kreisen der Bevölkerung selbst kam der Wunsch, eine Gemeindeordnung zu besitzen. Bei der Hochgräflichen Kanzlei in Grumbach erschienen mehrere Bürger und klagten darüber, dass sich Missbräuche und Unordnung bei der Gemeinde eingeschlichen hätten. Jeder wolle nach seinem Belieben sich aufführen und leben, „welches ein dermaßen Effekt gewinnt, dass bei Beharrlichkeit in den Unsitten andere ehrbare Leute sich hier niederzulassen einen Abscheu tragen, mithin das herrschaftliche Interesse hier-durch geschwächt wird . . .“.

Nach dem Vorwort folgen eine Anzahl Gebote und Verbote über Zuzug und Wegzug, Entrichtung von Begräbniskosten, Beleidigungen und Misshandlungen, Felddiebstähle und Waldfrevel und zuletzt über die Sauberhaltung des Dorf-brunnens.

- Das rheingräfliche Archiv -

 

Die spätere Gemeindeordnung beginnt ebenfalls mit einem Vorwort, in dem darauf hingewiesen wird, dass die Ordnung den Bürgern zum Nutzen sein soll und dass aller Ungehor-sam gegen die Ordnung streng bestraft wird. Sie lehnt sich in einem ersten Teil sehr eng an die Gemeindeordnung von 1705 an und in einem zweiten Teil unterstreicht sie den land-wirtschaftlichen Charakter des Ortes. Die Arbeit des Land-mannes wird in Gebot und Verbot eingeordnet, die Viehhaltung geordnet und der Weinbau und Obstbau allen anempfohlen.

 

Zu den Grumbacher Ordnungen gehören auch die zahlreich vorhandenen Censurordnungen aus jenen Jahren, die aber eine überörtliche Bedeutung haben. Censurordnungen sind Ordnungen der Kirche, jedoch von der weltlichen Obrigkeit erlassen. Sie gewähren uns einen guten Einblick in manche Sitten und Gebräuche, die damals gepflegt wurden und, zum Teil wenigstens, sich bis heute erhalten haben. Da werden genannt das Maien-stecken, das Eier- und Bratensammeln bei besonderen Gelegenheiten, das Johannesfeueranzünden, das Eggen-ziehen zur Steigerung der Fruchtbarkeit der Felder, das Hexenverbrennen, das Lehenausrufen der Mädchen und schließlich besondere Sitten und Gebräuche bei Ehegelöbnissen, Hochzeiten und anderen wichtigen Ereig-nissen im menschlichen Leben.
Eine über den Ortsbereich hinausgehende Bedeutung hat auch die Grumbacher Feuerordnung aus dem Jahre 1768. Sie gibt Antwort auf die Frage: Wie eine Feuersbrunst verhütet und die Unordnungen, welche diese veranlassen, geschmälert werden. Die Feuerordnung, vor über 200 Jahren erlassen, ist durchaus zeitgemäß und entspricht in den wesentlichsten Punkten den noch heute gültigen Feuerverhütungsvorschriften.
Absonderlich nur ist die Anordnung über die Beschaffung von Feuereimern. Es heißt: „ . . . es soll kein Untertan angenommen oder eines Untertan Sohn, wenn er sich verheiraten will und in unseren Landen zu bleiben gedenkt, einen Proklamationsschein erhalten, wenn er nicht vorher bei dem Polizeiamt einen solchen neuen ledernen Feuereimer überliefert hat, welcher zu den übrigen Feuereimern desjenigen Dorfes gehängt werden soll, woraus ein solcher neuer Untertan ist oder worin er sich niederzulassen gedenkt.“