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Das Amt Grumbach unter französischer Verwaltung


“Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit“ hatten die Franzosen auf ihre Fahnen geschrieben, als sie 1792 in unser Land eindrangen und auch das Amt Grumbach mit ihren Kriegsheeren überfluteten. Was hatte es schon zu be-deuten, daß mit der Freiheitsarmee auch Einquartierungen, Unruhe, Lasten, Abgaben, Sorgen und Verwüst-ungen über Land und Leute kamen? Der Krieg galt doch nur den Palästen und Tyrannen, den Hütten und Gerechten aber wurde Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verheißen. Das war die Freiheit, daß die Grafen vertrieben und die Feudalwirtschaft aufgelöst wurde, daß man der Leibeigenschaft und dem Frondienst ein Ende bereitete, daß es keine Obrigkeit mehr gab, kein Gericht, keine Zehnten und Zölle, kein Gesetz, keine Verwaltung, daß alle alten Ordnungen zerschlagen wurden und es keine rechtlichen Bindungen mehr gab. Das war die Gleichheit, daß man die Burgen und Schlösser zerstörte, auch das Schloß Grumbach, daß man allen bisherigen herrschaftlichen Besitz als französisches Staatseigentum erklärte und versteigerte und daß alle Einwohner die gleichen Rechte an dem öffentlichen Eigentum und Besitz haben sollten.
All diese Dinge waren so plötzlich und unerwartet gekommen, daß man das gar nicht fassen konnte und kaum jemand recht wußte, was nun werden sollte. All zu sehr wirkte die Vergangenheit noch nach und man konnte   sie innerlich nicht so vollkommen ausstreichen, um sich ganz den neuen Verhältnissen hingeben zu können. Wohl veranstaltete man Freiheitsfeste, legte Gelübde der Treue zum fränkischen Freistaat ab, stimmte man ein in den Ruf: „Es lebe die Republik“, aber man hatte anfangs doch nicht all zu viel Zutrauen zu dieser neuen Entwicklung.
Bald zeigten sich auch auf allen Gebieten des Lebens die Folgen der neuen Freiheit und Gleichheit. Handel und Wandel kamen völlig zum Erliegen, die Bauern konnten ihre Früchte nicht mehr verkaufen, der Verkehr stockte wegen der vorherrschenden Unsicherheit, es konnten keine Rechtsgeschäfte erledigt werden und auch in der Verwaltung war niemand da, der sich einer Sache annahm. Die verlassenen Amtsstuben mit den vielen, unerledigten Akten wurden zu einem Symbol des Lebens der Menschen in jenen Jahren, alles war Stillstand und Leere, alles Frage für die Zukunft.
Wochen und Monate gingen dahin. Aus dem Traumland gedämpfter Freude und aufkeimender Hoffnungen wurden die Menschen in eine Wirklichkeit zurückgestoßen, die unsagbar hart und bitter war. Die Franzosen brauchten für ihre Kriegszüge sehr viel Geld. Es wurde so rücksichtslos aus der Bevölkerung heraus gepresst, daß überall große Not und Elend entstand. Auch die Plünderungen und Verwüstungen, die die Soldaten an-richteten, trugen viel dazu bei, daß die anfängliche Begeisterung für die Neuerungen, insoweit eine solche überhaupt vorhanden oder echt gewesen war, sehr schnell erkaltete. Als 1794 die in Grumbach verbliebene Gräfin Albertine starb und an die Gruft in der Kirche zu Herren-Sulzbach überführt wurde, war das Trauergefolge ungewöhnlich groß.

War die zahlreiche Teilnahme nicht eine Demonstration der Unzufriedenheit und der bitteren Enttäuschung?
Im Staatsarchiv in Koblenz wird eine Übersicht über die Kriegsbeschwerden der französischen Besatzung im Amte Grumbach in den Jahren 1792 bis 1797 aufbewahrt.
Die Kriegslasten betrugen für unser Amt in diesen 5 Jahren 353 409 Gulden. Davon entfielen auf Kontri-butionen 5 143 Gulden, auf Requisitionen 174 471 Gulden, auf Plünderungen 55 396 und auf die Verwüstungen 118 399 Gulden.
Außerdem verkauften die Franzosen die herrschaftlichen Güter und Liegenschaften für 70 000 Gulden, nachdem sie für 34 000 Gulden Zerstörungen an den herrschaftlichen Gütern angerichtet hatten.

Nach dem Friedensschluß begannen die Franzosen im Jahre 1798 damit, das staatliche und kommunale Gefüge aufzubauen. Eine neue staats- und kommunalpolitische Ordnung bahnte sich an. Die Gebiete links des Rheins wurden französisch, die hier lebenden Menschen französische Staatsbürger. An die Stelle der früheren Leibeigenschaft trat die französische Staatsbürgerschaft mit gleichen Rechten und Pflichten für jeden Stand und Beruf. Nun waren auch die Hintersassen, die Tagelöhner, Hirten und Handwerker den Gemeinsleuten gleich-gestellt und hatten wie diese das Nutzungsrecht an dem Besitz der Gemeinde. An den früheren Herr-schaftsgrenzen wurden die Grenzsteine und Schlagbäume entfernt, es sollte keine Grafschaften mehr geben, sondern Departements, Arrondissements, Kantone und Mairien (Bürgermeistereien), Grumbach wurde ein Kanton mit den vier Mairien Grumbach, Offenbach, Sien und Schmidthachenbach.

Das Dekret vom 23. Januar 1798 brachte folgende politische Einteilung:

A r r o n d i s s e m e n t  de B i r k e n f e l d:
C a n t o n e : Birkenfeld, Baumholder, Kusel, Grumbach, Hermeskeil, Meisenheim, Herrstein, Rhaunen,       
                       Wadern.

C a n t o n Grumbach:
Mairie Grumbach mit den Orten Grumbach und 2 Höfen, Cappeln, Merzweiler, Langweiler und 4 Mühlen,     
                                Homberg, Kirrweiler, Sulzbach, Hausweiler, Schönborner Hof, Windhof, Eselsmühl.

Mairie Offenbach: Offenbach und 2 Mühlen, Wiesweiler und l Mühle, Buborn, Deimberg, Niedereisenbach
und l Mühle, St. Julian und 3 Mühlen, Eschenau und l Mühle, Niederalben und l Sägewerk.

Mairie Sien: Ilgesheim, Gut Fichtenhof, 2 Mühlen in der Steinalb, Oberjeckenbach, Gut Hohenröther Hof, 
Unterjeckenbach und 9 andere Gemeinden und Höfe, die nicht im Bereich des ehemaligen Amtes Grumbach liegen.

Mairie Schmidthachenbach: 8 Dörfer und Höfe, die nicht im Bereich des jetzigen Amtes Grumbach liegen,

In den Dörfern wurden Vorsteher ernannt, eine Feldpolizei gegründet, Gemeindeforstbeamte eingesetzt, neue Maße und Gewichte eingeführt, das Verkaufswesen und noch viele andere Dinge neu geordnet. In wenigen Jahren traten mehr als 70 einschneidende Bestimmungen in Kraft, die das ganze Gebiet des Lebens in allen Zweigen betrafen. Besonders wichtig waren die Bestimmungen über die Zivilehe und die damit verbundene Einrichtung der Standesämter. Die Kirchenbücher wurden geschlossen und durften nicht mehr geführt werden.
Für alle Register, Amtsverfügungen, Protokolle und dergleichen war die französische Sprache vorgeschrieben.
Auch das Steuerwesen erfuhr eine Neuordnung. Die alten Steuern wurden abgeschafft und ein Steuersystem eingeführt, das die Grundlage für unsere heutige Steuererhebung geworden ist.

So vollzog sich in diesen Jahren ein Umbruch, der in der bisherigen Geschichte unserer Gegend einmalig war. Viele geistig hochstehende Menschen erkannten den Wert dieses revolutionären Geschehens und waren dem Neuen sehr zugetan. Aber auch die einfachen Leute stellten sich mehr und mehr auf die neue Ordnung ein und bejahten diese.
Und doch blieb der Westrich deutsch. Hatte es auch einer fremden Macht bedurft, um ein morsches System zum Einsturz zu bringen, so war doch der Grund und Boden deutsch, die Geschichte durch Jahrhunderte hindurch war eine deutsche Geschichte und die Menschen, die hier lebten, waren und blieben deutsche Menschen. Sehr schnell haben Sie zu sich selbst und zu ihrer angestammten Heimat zurückgefunden.

Am Abend des 19. Oktober 1814, ein Jahr nach der Völkerschlacht bei Leipzig, kamen die Einwohner aus    allen Dörfern des Amtes Grumbach auf der Höhe zwischen Homberg und Sulzbach zu einer Freiheitsfeier zusammen. Lodernde Flammen machten die Nacht zum Tage, aus kleinen Kanonen wurde Salut geschossen    und die Glocken der Kirche von Sulzbach trugen die Kunde von der Befreiung in die klare Herbstnacht hinaus.

Das Alte war dahin und vergangen, das Neue aber stieg empor aus den Trümmern der vergangenen Zeit.
Tun wir nun einen Blick in einzelne Geschehnisse jener Zeit. Ludwig Lindenmeyer, damals Regierungsassessor in Grumbach, erzählt uns von dem Überfall auf das Pfarrhaus in Sulzbach am 27. März 1793:
„Die in der Gegend von Zweibrücken gestandenen Franzosen hatten auf die Nachricht von dem Abzug der alliierten Truppen über den Hunsrück ihre Station verlassen und zogen sich in größter Eile den Glan herunter, um Custine zu Hilfe zu kommen. Es wurde auf dem Berg bei Lauterecken ein Lager aufgeschlagen und ein Teil der Truppen in Grumbach und Sulzbach einquartiert. Dies war der Auswurf der französischen Armee, die sogenannte Kellermannsche Legion, rohe, unbändige Leute, die kaum durch die besser denkenden Offiziere   im Zaum gehalten werden konnten.

Gleich am ersten Abend waren nun die meisten in Grumbach und Sulzbach einquartierten Soldaten betrunken. Karoline (Gattin des Regierungsassessors Lindemeyer in Grumbach) hatte einige rechtschaffene Offiziere im Haus, die sich, um sie nicht im geringsten zu inkommodieren, in die andere Stube zu den gemeinen Soldaten gelegt hatten. Kaum hatten diese sich entfernt, so schlich sie mit ihrem Säugling in der Schürze zu ihrer Freundin Kühlenthal und beide legten sich in die obere Stube zu Bette. Aber mitten in der Nacht schlug die Schildwache mit dem Flintenkolben wider die Haustüre und rief mit fürchterlicher Stimme: „Major heraus,  der
Feind ist da!“ Erschrocken sprangen die beiden Frauen aus dem Bett und retirierten sich in der größten Angst an einen Pfeiler zwischen zwei Fenstern, um bei einem Angriff nicht erschossen zu werden.
Der Überfall in Sulzbach war die Ursache dieses Lärmes. Ungefähr 90 preußische Husaren von Oberstein,  durch einen Lauterecker Einwohner geführt, waren in mondheller Nacht bis nach Sulzbach gekommen, hatten ebenso unbemerkt 40 m den Gärten der Auwiese angebundene Pferde weggeführt, trafen die feindlichen Soldaten alle in tiefem Schlafe an, keine Wacht, alles ruhig und in vollkommenstem Frieden. Sie ritten vor das Haus des Hofprediger Speners, worin mehrere Offiziere einquartiert waren, fingen an zu schimpfen, durch die Fenster zu schießen und die Türen einzusprengen. Die Offiziere rafften sich auf und baten flehentlich um   ihr Leben, aber es wurde kein Pardon gegeben und einer nach dem anderen im Pfarrhof niedergehauen, wovon ich noch bei meinem Besuch in Sulzbach mit Schaudern das Blut an der Mauer, am Kuhstall, an der Windmühle, in der Scheuer und auf der Kellertreppe hängen sah. Im Dorf selbst ging es nicht besser.
Endlich gab es Lärm in Grumbach und die dasigen Soldaten eilten ihren Kameraden zu Hilfe. Allein die preußischen Husaren hatten ihre Beute schon in Sicherheit gebracht und die Franzosen übten nun ihre Wut am Pfarrhause aus, zerschmissen die Fenster, zerhieben die Möbel und plünderten die Effekten.
Der kommandierende Offizier, aufgebracht über die Grumbacher Einwohner, die man im Verdacht der Verräterei hatte, gab den Befehl, Grumbach in Brand zu stecken. Da kam in letzter Minute die Nachricht, daß Custine von Bingen und Kreuznach zurückgedrängt sei. Die Kellermannsche Legion zog sich darauf in   aller Eile, um nicht abgeschnitten zu werden, nach Lautern zurück“.

Amtmann Handel von Grumbach berichtet:
„1794: Als bei dem Rückzug der Preußen im Okt. 1794 der franz. General Maly sein Hauptquartier zu Merzweiler nahm, forderte er von der Gemeinde alle Pferde, anderenfalls er den Ort anzünden lassen werde.

1794: Die Getreideernte vom vergangenen Jahr war schlecht ausgefallen, ebenso die Kartoffeln. Was vorhanden war, nahmen die Franzosen weg, so daß man sich nicht zu wundern braucht, wenn Hungersnot eintritt. Zur Fütterung des Viehes graben die Leute Wurzeln und schneiden junges Korn.

1795: Wir dachten am 30. November an einen Überfall so wenig, daß ich noch des Nachmittags zur Aufnahme eines Testamentes nach Langweiler ging und ob ich gleich sowohl unterwegs als auch in Langweiler vernahm, daß der Feind nahe sei, ich jedennoch meine Arbeit vollendete. Kaum aber hatte ich den Ort verlassen, da mir die Einwohner und mehrere mit Pferden geflüchtete Leute nachriefen und hinterbrachten, daß die Franzosen stark anrückten und die Cavallerie schon in Oberjeckenbach sei. In welcher Verlegenheit oder Angst ich mich dermalen befunden, wird euch nicht entgehen.
Ich eilte deswegen nach Hause und nachdem ich 1/4 Stunde zurück war, so kam schon die Cavallerie, aus Chasseurs und Husaren von Chamboran bestehend, den Schloßberg herunter und ging ohne weiteres nach Lauterecken, wo selbst sie die Kaiserlichen überfielen und vertrieben.

Kurz nachher fand sich die ganze Kolonne von 7000 - 8000 Mann ein, wovon ein Teil in Langweiler und Merzweiler blieb, und nahm General Lalaiche sein Quartier auf dem Sonnenhof, die Generäle Marceau und Debilly aber mit einigen Bataillons Infanterie wurden auf dem Höllenwald und Blickenheck und Hammelfels auf Biwak postiert. General Marceau war bei dem Herrn Hauptmann Kühlenthal und General Debilly mit seinem Major und Sekretär, welche das Büro vom Etatmajor ausmachten, bei mir einquartiert und fertigte General Debilly sogleich eine Requisition an mich aus, nach welcher das Amt bis anderen Morgen 7 Uhr 14 000 Pfund Brot und 200 Flaschen Branntwein liefern sollte. Von letzterem Artikel konnte nichts beigebracht werden, vom ersteren aber wurde so viel wie möglich beigeschafft.
Den l. Dezember war man auch genötigt, 2 Stück Rindvieh, eins von hier und eins von Buborn zu schlachten und auszuteilen. An diesem Tage attackierten die Franzosen die Kaiserlichen in unserem Angesichte einseits Lauterecken, wurden aber mit großen Verlusten genötigt, Lauterecken zu verlassen, das sie auch nach der Hand nicht mehr bekamen.
Schon am ersten Abend wurde mir, da die ins Lager benötigten Boten nicht sogleich bei der Hand waren, 100 Prügel angedroht, auch wurde ich am anderen Tage durch drei Grenadiere abgeholt und nachgehends durch allerlei Bedrohungen erschreckt und in das Hauptquartier nach Meisenheim gebracht, wo bereits zwei Ordonnanzen angelangt waren, allein ich ließ mich nicht irre machen. Eine Forderung von 100 Stück Horn- vieh, 20 000 Pfund Brot, 2000 Ctr. Korn, 1000 Ctr. Hafer, 500 Ctr. Heu und 60 Ctr. Stroh wurde nach vielen Bemühungen und Bitten erlassen, dagegen mußten nach wie vor kleinere Mengen abgeliefert werden.
Die Requisitionen waren deswegen sehr schwierig und gehemmt, weil Merzweiler und Langweiler nicht liefern konnte, weil die Franzosen daselbst und besonders zu Langweiler, wo sie ungescheut geplündert, übel gewirtschaftet hatten, Hausweiler hing lediglich von den Vorposten ab und mußte allein an 1000 Pfund Brot, 24 Hammel, 18 Säcke Hafer und gegen 500 Rationen teils Heu, teils Stroh abgeben, andere Viktualien beiseite gesetzt. Fast der nämliche Fall war mit Buborn und Deimberg, wo die Vorposten hinfielen und sowohl Fourage
und Brot nahmen als auch Gelder. Mancher Gemeinde wurde unterwegs das meiste Brot durch die Volontärs weggenommen und sie obendrein ihrer Schuhe beraubt, welches letztere sehr häufig eintrat.
Da die Verbindung mit den Glanmühlen gänzlich abgeschnitten war und in solchen nichts gemahlen werden konnte, sodann in den Pletschmühlen zu Kappeln, Merzweiler und Langweiler das Mehl verdorben war, die Müller auch keine Sicherheit hatten, so war wirklich Mehlmangel vorhanden, bis ich endlich den Obristen Huard bewog, in jede Mühle eine Salvo-Garde zu legen.
In Kappeln war der Anfang mit Plündern gemacht, jedoch tat die dahin ausgelegte Wache noch zeitig Einhalt, wie wohl der Müller stark heimgesucht worden ist. Hier im Ort passierte wegen der allzu großen Menge manche Unordnung und besonders erlitten manche Einwohner an Schweinen schweren Verlust, welches auch Kappeln betraf, indem die Volontärs von Löllbach aus in die Schweineherde fielen und drein schossen und 16 Stück weg-schleppten, die übrigen erschossenen und blessierten aber liegen lassen mußten. Friedrich Schmidt dahier ist stark geplündert worden.
Weil seit dem l. Dezember alles ruhig war, so fingen wir wegen der Befreiung sehr zu zweifeln an, bis endlich am 9. Dezember morgens nach 8 Uhr die kaiserlich-königlichen Truppen mit solcher Bravour und Geschicklichkeit angriffen, daß in Zeit von einer Stunde alles gereinigt war und die Franzosen bis Kirn liefen. Allein nach Lauterecken wurden über 500 Mann gefangen eingebracht und diejenige Haubitze, welche die Franzosen hinter dem Sonnenhof aufgepflanzt hatten, fiel den Siegern in die Hände.
Gleich anfangs nahmen die k. u. k. Truppen die Position auf dem Hammelfels weg und da sich einige Kompanien Volontärs neben dem Bürgerwald retirierten, so entstand von beiden Seiten ein lebhaftes Feuer aus dem kleinen Gewehr, das aber wenig Schaden verursachte.
Während dieser 8-tägigen Anwesenheit der Franzosen gingen sämtliche herrschaftlichen Möbel zugrunde. Übrigens stehen die k. u. k. Truppen über Birkenfeld hinaus und die Franzosen sollen sich in einer üblen Lage befinden.“


Pfarrer Spener schreibt in Briefen an seinen Bruder Jakob Philipp, Service-Kontrolleur in Landsberg:
               
                                                                                                                                                             Sulzbach, den 17. April 1806.


“Wir haben kürzlich als Geistliche den Eid der Treue (zu Napoleon) abgelegt, der sehr weitläufig war, aber      von der versprochenen Besoldung 234 Gulden haben wir noch nichts erhalten.
Kürzlich war die Armee, die sich in Österreich so unverwelklichen Ruhm erworben hatte, auf dem Marsch   nach Paris, um dort durch ein großes Fest und Verteilung der Beute belohnt zu werden. Kaum waren aber      die Truppen bis Saarbrücken gekommen, als sie Contre-Ordre erhielten und über den Rhein zurück mußten, das ihnen freilich unangenehm war.
Man sagt, unser Kaiser (Napoleon) wolle auch gegen die Russen Hilfe leisten, denn seit einigen Tagen ist hier die Nachricht verbreitet, die Russen seien auch ins Land gefallen, hätten schon mehrere Dörfer und Städte verbrannt und euer König sei in der Comedie erstochen worden. Das letzte glaube ich nicht, es wäre entsetz-  lich und Gott gebe, das auch das erste nicht wahr ist. Bekommt ihr mit Rußland Krieg, dann bekommst Du vielleicht noch Landsleute zu sehen. Gott gebe aber, daß das Morden bald ein Ende nimmt und Friede wird.
Mein Vater lebte über dem Rhein und da er kaum ein Jahr hier war, wurde er nach einem Revolutionsgesetz, desgleichen noch nie in der Welt existiert hatte, als Geisel nach Trier geschleppt, um für die Sicherheit der Patrioten zu haften. Und ob er auch sogleich wieder losgelassen, so hatten wir doch 7 Louisdor Kosten, die uns hart drückten.“

                                                                                                                                                             Sulzbach, den 10. April 1814.


„Ich wollte dir auch zugleich Geld schicken, das ich aber bis jetzt noch nicht möglich machen konnte. Die Lieferungen und Abgaben sind so ungeheuer stark, daß nicht daran zu denken ist, von irgend jemand auch nur einen Kreuzer zu erhalten. Gestern mußten wir hier wieder 500 Gulden zusammenlegen für eine Lieferung nach Trier. Dabei gilt die Frucht nichts und sinkt täglich in ihrem Wert, ich habe noch kein Simmer verkauft. Wunderbar haben sich die politischen Zeitumstände bei uns geändert. Napoleon kam in einer traurigen Lage von Leipzig zurück und die Krankheit ruinierte vollends seine Armee. Tote lagen allenthalben  an den Straßen und viele Ortschaften wurden von dem Nervenfieber angesteckt. Wir hatten 7 Wochen Chasseurs von der Garde, die uns viele Kosten verursachten, ob sie sich gleich nicht übel betrugen.
Als am Neujahrstage Blücher mit der schlesischen Armee über den Rhein ging, hatten wir viel Angst. Da sie sich aber gut betrugen, wurden sie überall mit größtem Jubel und Enthusiasmus empfangen. Die Bauern begingen Exzesse gegen manche Bediente, denen aber Proklamationen bald steuerten. Blücher zog mit seiner Armee den Glan herauf und wir bekamen bald keinen Mann zu sehen. Aber ging gleich die Armee glücklich vorbei, so waren doch die Folgen traurig. Sie brachten die Viehseuche, von der bald alle Dörfer an dem Glan angesteckt wurden, und die kranken Soldaten verbreiteten allenthalben das Flecken- und Nervenfieber. Ungeheure Ver-wüstung hat diese Krankheit angerichtet und unzählige Witwen und Waisen gemacht. Und noch hört sie nicht ganz auf. Besonders haben die Ortschaften, wo die Armee durchging, am meisten gelitten.    

 

Täglich starben Menschen und es war beinahe kein Haus, wo nicht Kranke und Tote lagen. In manchen  Häusern legten sie sich alle zugleich, so daß keins dem ändern einen Trunk Wasser reichen konnte und, da     sich jedermann scheute, in solche Häuser zu gehen, so wurde das Elend vergrößert und viele starben aus  Mangel an Pflege.
Die Lieferungen und Abgaben sind ungeheuer, der Fruchthandel liegt gänzlich danieder. Bei den Kriegsfahrten wurden die Bauern auch sehr mit Schlägen mißhandelt, was sie bei den Franzosen nicht gewohnt waren, sowie durch streng gebrauchte Aushebung beschwert und hierdurch ist seitdem der Enthusiasmus für die Preußen sehr erkaltet. Jedermann seufzt nach Ruhe, die hoffentlich jetzt auch bald erfolgen wird.
Unsere Erwartung ist sehr gespannt, wen wir zum Landesherrn bekommen werden. Ich fürchte, unser     Gewinn wird in manchen Stücken nicht sehr groß sein.
Auch eine russische Armee war an der Verfolgung der Franzosen beteiligt, insgesamt 54.000 Mann mit 8.000 Pferden. Zu dem Aufmarschgebiet dieser Armee gehörte auch das Amt Grumbach. Im Juni 1815 waren in Buborn 792 Russen einquartiert, in Deimberg 243, in Kirrweiler 465, in Sulzbach 237 und in Grumbach 231.

Am ll. Sept. l815 wird angekündigt, daß dieses russische Armeekorps wieder durch unser Gebiet marschiere. Der Durchmarsch solle 14 Tage dauern und es sollten die Vorbereitungen getroffen werden. Bürgermeister Kühlenthal beschwert sich, daß sein Amt Grumbach die Hauptlast des Krieges tragen müsse, die anderen Ämter sollten auch etwas tun.
Der russische Durchmarsch begann am 29. Sept. 1815 und war am 17. Okt. beendet. Alle Dörfer unseres Amtes hatten in dieser Zeit Russen in Quartier. In Sulzbach lagen 26 russ. Offiziere und 1030 Mann Fußvolk. Wie üblich hatte das Dorf Sulzbach seine Einquartierung zu ernähren. Sie verzehrte 491 Pfund Ochsenfleisch, 3 fette Rinder, 3 fette Schweine, Schaf- und anderes Fleisch, mehr als 2000 Pfannekuchen, Eier, Käse, Butter, Gemüse, Geflügel, sowie Essig, Bier, Birnenwein u. a. ist nicht zu bestimmen, dazu 4 Ohm Branntwein.“

In den gesetzlosen Jahren der französischen Herrschaft wurden Westrich und Hunsrück immer wieder von Räuberbanden heimgesucht, die Land und Leute drangsalierten und viel Unruhe, Angst und Schrecken verbreiteten. Auch das Amt Grumbach blieb von diesen Banden nicht verschont. Die vielen Berichte über Razzien nach herumstreifendem Gesindel in den Wäldern von Kappeln, Buborn, Homberg und Kirrweiler vermitteln ein anschauliches Bild von dem Umfang des Bandenwesens jener Zeit. Der bekannteste Bandenführer war Johannes Bückler, genannt Schinderhannes. In Miehlen im Taunus war er geboren. Seine Jugendzeit verlebte er in seinem großväterlichen Hause in Merzweiler. (In Sulzbach wurde er konfirmiert.) Den Namen seines Vaters finden wir zuerst in einem Testament des Großvaters vom 26. Dezember 1776.

Darin heißt es:
„ ... hat mich Otto Philipp Bückler durch seinen Sohn Johann Friedrich Bückler ersuchen lassen, mich zu ihm zu begeben, um ein ordentliches Instrument zu errichten ... und habe mich in seine Wohnstube eingefunden und ersagten Otto Philipp Bückler auf dem Bett sitzend und eine Pfeife rauchend bei völlig gutem Verstand angetroffen . . . und da auch die 7 Zeugen, alle aus Merzweiler, erschienen sind, so deklariert der Testator, daß er alle seine Kinder, nämlich l. Louisa Margaretha, verehelichte Effertin zu Sulzbach, 2. Anna Katharina, verheiratete Kleemännin zu Merxheim, 3. Johann Friedrich Bückler dahier, 4. verst. Johann Mattheis Bückler nachgelassene 2 Kinder, 5. Anna Barbara, verehelichte Nagelin zu Ruschberg, 6. Johannes Bückler (dieser war 1789 Schütz an Homberg), 7. Maria Margaretha Bückler,  zu Erben seiner dereinstigen Hinterlassenschaft einsetze, jedoch so, daß der Sohn Johann Friedrich Bückler sein ganzes Haus und Gut, bestehend in Gebäu, Gärten, Wiesen, Ackerland und Wingerten, nicht das mindeste davon ausgenommen, um den Anschlag von eintausend und siebzig Gulden bekommen soll.“

Die Anklageschrift gegen Schinderhannes, von der eine Originalabschrift im Amtsarchiv zu Grumbach aufbe-wahrt war, ist bezeichnet „Schinderhannes und Compagnie, 67 Mitschuldige“. An 59 Verbrechen war Schinderhannes selbst beteiligt. Davon wurden mehrere im Amt Grumbach verübt.

Im Sommer des Jahres 1797 kommt an einem frühen Morgen der Hofmann Christian Mohr vom Schönborner Hof in seinen Stall und staunt nicht wenig, als er sieht, daß seine Pferde gestohlen sind. Wenige Jahre später hat Christian Mohr sich mit Schinderhannes ausgesöhnt und gewährt ihm und einigen seiner Gesellen Unterkunft auf dem Hof. Einer von denen war der Landstreicher Friedrich Gilcher von Wiesweiler, ein anderer der Schäfer Philipp Remer von Eisenbach und noch Karl Michel von Hundsbach.

Schinderhannes schickte den Gilcher nach Offenbach in den Kaufladen der Witwe Frenger, um Tabak zu kaufen und bei dieser Gelegenheit alle Möglichkeiten für einen Einbruch auszukundschaften. Er schickte ihn noch ein zweites Mal und schickt ihn nochmals zu Nikol Herz, dem Nachtwächter von Offenbach, ihn von dem Vorhaben zu unterrichten. Nikol Herz war bekannt als einer, der dem streifenden Gesindel nachstellte. Da hatte
man Ihm des Nachts die grüne Frucht auf dem Felde abgemäht. Nun war er gewarnt und aus Furcht schwieg er. Der ganze Laden der Witwe Frenger wurde ausgeräumt. Es ist erstaunlich, was die Einbrecher alles gebrauchen konnten: Erbsen, Zucker, Schnupftabak, Stoffe und sogar die silbernen Beschläge eines Gesangbuches.
92 Artikel wurden gestohlen in einem Werte von 850 Frs.
In Wiesweiler hatte Schinderhannes Bekanntschaften, wo er und Gilcher sich öfters heimlich aufhielten. Da ihnen Wiesweiler aber nicht sicher genug erschien, schleppten sie das Diebesgut noch in der gleichen Nacht   nach Langweiler zu Peter Schneider, der ebenfalls zu der Bande gehörte. Gilcher wurde bald danach gefangen und in Trier hingerichtet, Peter Schneider im Jahre 1803 in Mainz zu  einer Kerkerstrafe, Schinderhannes zum Tode durch das Fallbeil verurteilt.
Ein Bandenmitglied des Schinderhannes, der berüchtigte Jakob Porn, hatte in Niederalben Leute, auf die er  sich verlassen konnte und bei denen er sich hin und wieder aufhielt. 1801 hatte man ihn aber dort gefangen und nach Grumbach ins Arresthaus gebracht. Wenige Tage später war er wieder entflohen und Bürgermeister Kühlenthal erließ folgenden Befehl: „An alle Gemeinden meines Amtes um den Jakob Porn, der sich in Niederalben seit einiger Zeit aufgehalten hat. Dieser Jakob Porn ist in der Nacht auf den 27.Germinal jüngsthin aus dem hiesigen Arresthaus entwichen. Sollte derselbe in meinem Amt angetroffen werden, so sind alle Bürger aufgefordert, ihn zu ergreifen und vor den Friedensrichter zu führen.“

Ein weiteres Bandenmitglied, der schwarze Peter Leyendecker, hatte sich von Schinderhannes abgesetzt und mit einigen jungen Leuten eine eigene Bande begründet. Auf diese wurde im Jahre 1804 im Amte Grumbach ein Streifzug folgendermaßen veranstaltet: „Die Gemeinden Sulzbach, Homberg und Kirrweiler sollen von morgens 4 Uhr ab die sämtlichen Wälder dieser Gemeinden mit möglichster Genauigkeit durchsuchen. Die von Lang-weiler und Merzweiler die Käsweiler Waldungen, die Hornberger die Morbach, Kappeln die dortige Waldung, Grumbach und Hausweiler die Buborner Birken mit dem Auftrag, alle Gewehre, so in den Gemeinden vorfindlich, mitzunehmen. Alle diejenigen, so ihnen aufstoßen und keine guten Pässe haben, auch mit Pässen, so den beschriebenen Personen gleichen, vor das Friedensgericht in Grumbach zu führen.“
Unterschrift: Kühlenthal.

Immer wieder wurden damals die Dorfbewohner zu solchen Verbrecherjagden aufgefordert. Die Bandendieb-stähle hörten erst auf, als die Franzosen das Land verlassen hatten und überall wieder geordnete Verhältnisse eingekehrt waren.

Als Grumbach 1834 preußisch wurde, schenkte König Friedrich Wilhelm III. der Kirchengemeinde Grumbach 3000 Taler für den Bau eines Gotteshauses und zum Andenken an die Königin Luise, die als Prinzessin oft in Grumbach geweilt hat.
Die Kirche wurde auf den Grundmauern des zerstörten Schlosses errichtet. Planer der Kirche war ein Reg. Coducteur (Reg. Baumeister verschiedentlich auch Kreisbaumeister genannt) namenes Leonardt aus Saar-brücken. Die Kirche wurde sie 1838 feierlich eingeweiht.
Ein einziges Gebäude ist von dem stolzen Schlosse erhalten geblieben, das Archiv, das nach der Restaurierung heute als Arztpraxis dient. Einige Gebäude aus der damaligen Zeit sind uns bis heute erhalten geblieben: Die Zehntenscheuer im Viehhof, dorthin mußten die Bauern den zehnten Teil des Ertrages ihrer Felder und Wiesen bringen. Am ehemaligen Wäschhaus steht noch das Gebäude, in dem der Schloßassessor Lindenmeyer mit seiner Frau Karoline Wohnung hatte.
Am Gebück steht noch heute, das ehemalige Wohnhaus des Amtmannes Handel. Ortsbezeichnungen wie: Im Viehhof, Am Waschhaus, Auf der Weide, Im Weiherdamm, Auf der Vogelheerd und im Gebück deuten auf ihre frühere Bestimmung hin. Auf starken, noch jetzt stehenden Mauern, war der rheingräfliche Lustgarten angelegt. Uralte Linden be-schatteten jahrzehntelang den schönen Platz. Noch heute sind die sichtbaren Spuren der Vergangenheit aus der Zeit der wild- und rheingräflichen Residenz Grumbach zu erkennen.

Der Grumbacher Faulbrunnen in der Nähe von Grumbach, heute ist dort ein Steinbruchbetrieb mit Beton- und Teermischanlage, ist eine Quelle mit schwefelhaltigem Wasser. Der Sage nach sollen die Wild- und Rheingrafen von Grumbach anfangs die Quelle in einem guten Zustand, sie aber nachher „wegen des dadurch herbeige-zogenen übermäßigen Besuch befreundeter Standesgenossen“ vernachlässigt haben.