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Die Freiheitsbriefe für Grumbach aus den Jahren 1330 und 1708

 

Die Einwohner von Grumbach waren rechtlich unfrei und leibeigen, d. h. ihrem Grundherren mit Hab und  Gut, Leib und Leben verfallen und ver­pflichtet. Sie teilten dieses Los mit allen sogenannten „armen Leuten“   des ganzen fränkischen Reiches. Nur ganz selten wurden einzelne Familien oder gar ganze Ortschaften von der Leibeigenschaft „gefreit“. Eine Freiung konnte nur vom Kaiser ausgesprochen werden. Das geschah im Jahre 1330 auf Bitten des Wildgrafen Johann I. von Dhaun-Grumbach für die beiden Orte Grum­bach und Offenbach.

                Der Freiheitsbrief hatte folgenden Wortlaut:

„Wir Ludwig von Gots gnaden Romischer cheyser ze allen ziten merer dez richs, veriehen offenbar an disem brief und tun kunt allen den, die in an sehent oder horent lesen, daz wir von besundern gnaden durch bet des edlen mannes Johansen, des Wilden greven, unsers lieben getriwen, im und sinen erben die stat ze Grumbach geehaft und gefreyt haben und ehaften und vreyen von cheyserlichem gewalt mit diesem gegenwärtigem brief, also daz di selbe stat und alle die, di dar inne wonend, die reht und vreyunge haben sullen, als unser und des richs stat Cheysersluter hat und gevreit ist. Und dar über ze einem urchunde geben wir in disem brief versigelten mit unserm cheyserlichen insigel der geben ist ze Hagenowe dez nehsten suntags nah sant Ja­cobs  tage dez zweifboten, do man zalt von Christes geburt driutzehen hundert iar, darnah in dem dreizzigestim iar,  in dem sehzehen iar und in dem dritten des cheysertumes.“
So konnte Grumbach von Rechts wegen seit 1330 eine Stadt heißen. Eine Urkunde von 1363 spricht auch von Burg und Stadt Grumbach. Es fehlen aber alle Merkmale, die das Wesen einer mittelalterlichen Stadt bestim-mten, ins­besondere die tatsächliche Befreiung der Bürger aus der Leibeigenschaft. Die Untertanen blieben unfreie Hintersassen, Leibeigene.
Auch der Freiheitsbrief von 1708 und die nächstfolgenden Freiheitsbriefe lösten die Untertanen nicht aus der Leibeigenschaft, sie sind lediglich als eine Verbriefung von Gewohnheiten und bisher ungeschriebenen Rechten zu werten, die sich im Laufe der Zeit herausgebildet hatten.
In dem erwähnten Freiheitsbrief von 1708 wird in einem längeren Vorwort gesagt, daß das Tal Grumbach dem Ruin und Untergang nahe sei und darum eine neue Form eingeführt werden solle.
Es heißt dann weiter:
„Erstlichen ist bekandt, dass dieses ortts Einwohner gleich alss alle Unsere Unterthanen Unss mit der Leibeigenschafft zugethan, alss soll solche hiermit gäntzlich cessiren undt annulliert undt Sie in bürgerlichen standt gesetzt und erhoben, von allen herrschafftlichen fröhnden ohne unterscheidt, doch den höchst benöthigten sich zutragenden fall Unss reservirend exempt und befreiet.“ Es folgen Hinweise auf das Marktrecht, auf weiter bestehende Verpflichtungen, auf Gebote und Verbote und die Festsetzung des Strafmaßes für bestimmte Vergehen.
                              
Unterschrift: Grumbach, den 7ten Januar Eintausendsiebenhundert und acht.
                                                               Leopold Philips Wilhelm Wild- und Rheingraf.

 

Der Wild- und Rheingraf Carl Walrad Wilhelm bestätigt in einer Randbe­merkung vom 12. Januar 1729 den Freiheitsbrief, ebenso Carl Ludwig am 30. Dezember 1763.

Durch diese Freiheitsurkunde wurde Grumbach keine Stadt und auch nicht als solche bezeichnet. In dem amt-lichen Schriftverkehr heißt es immer nur Flecken oder Landgemeinde. Die Freiheitsbriefe haben also nur den Wert ge­schichtlicher Erinnerungen.