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Die Vor- und Frühgeschichte


Hunsrück und Westrich waren gegen Ende der jüngeren Steinzeit, etwa um 3000 bis 2000 v. Chr. noch unbe-siedelt, jedoch nicht völlig menschenleer.
Nomadisierende Stämme, Händler und streifende Horden zogen durch das Land und schlugen bald hier, bald dort, ihr Lager auf. Noch heute werden hier und da Werkzeuge und andere Gegenstände aus jener Zeit gefunden. So in Unterjeckenbach 3 spitzhackige, kunstvoll geschliffene und gebohrte Steinbeile, die einen fort-geschrittenen Kulturstand erkennen lassen.
Durch die fortdauernden Wanderungen entstanden auch die ersten Verkehrswege, die jedoch nicht viel mehr als ausgetretene Pfade gewesen sein mögen. Aus der Heimatkunde von H. Baldes erfahren wir, daß zu  damaliger Zeit ein solcher Pfad vom Glan durch das Grumbacher und Jeckenbacher Tal an die Nahe führte.
Um das Jahr 1000 v.Chr. beginnt die Eisen- oder Hallstattzeit. Die Heimat der Hallstattleute war das österreichische Alpenvorland. Einzelne Teile hatten sich aus dem Volksstamm herausgelöst, um in anderen Gegenden seßhaft zu werden. Viele zogen auch als Händler durch die Lande und tauschten die Erzeugnisse ihrer Kunst, besonders Schmuck, gegen andere Dinge ein. So mögen einige von ihnen auch zu uns gekommen sein. Mit ihnen fängt das geschichtliche Dunkel, das auf unserer Landschaft lag, langsam an zu weichen.
Schriftliche Aufzeichnungen dürfen wir natürlich nicht erwarten.

Zwischen Kirrweiler und Niederalben, in der Nähe des früheren Dorfes Olscheit, befindet sich ein Friedhof der Hallstattleute. Selten beerdigten die Hallstattleute ihre Toten vereinzelt, vielmehr in geschlossenen Gruppen von Hügelgräbern. Die Toten lagen unter mächtigen Steinpackungen, nach Osten schauend. Am Kopfende findet man oft eine Urne aus Ton, jedoch nie ein Sehwert. Man kann daraus schließen, daß die Hallstattleute den Krieg nicht liebten. Wo ein Friedhof ist, ist wahrscheinlich auch eine Siedlung gewesen. Aus dem Vorhandensein einer Einzelsiedlung darf man aber nicht die Folgerung ziehen, daß unsere ganze Gegend damals schon besiedelt gewesen war.
Auch die nachfolgenden keltischen Stämme besiedelten das Land noch nicht, wenn sie auch hier und da Wohn-stätten errichteten. Sie erwarben sich aber dadurch ein Verdienst, daß sie den Dingen, die sie vorfanden,   Namen gaben. Außer manchen Flurbezeichnungen sind folgende Namen keltischen Ursprungs:            
Glan heißt nein und hell, Alb (Alben, Steinalb) bedeutet weiß und glänzend, in den Dorfnamen Kaesweiler (bei Homberg) ist das keltisch-lateinische casnus, d.h. Eiche, enthalten. Kaesweiler bedeutet demnach Weiler beim Eichenwald.
Um das Jahr 200 v.Chr. brachen von Norden und Nordosten Germanenschwärme in das Nahegebiet ein. Ihre Heimat war ihnen zu eng geworden, darum suchten sie sich neue Wohnsitze. Im Kampf mit dem Schwert waren die Kelten unterlegen. Der hohen keltischen Kultur konnten sich die Eindringlinge jedoch nicht erwehren. Aus der Verbindung dieser Völkerschaften entstand das Mischvolk der Treverer (Trier = augusta Treverorum).
Im letzten Jahrhundert v. Chr. wurde unser Land durch die am Rhein wohnenden Sueven stark bedrängt. In ihrer Not wandten sich die Treverer 58 v.Chr. hilfesuchend an Cäsar, den großen römischen Feldherrn. Sie ahnten damals nicht, daß sie nun für Jahrhunderte einen Zwingherren ins Land gerufen hatten. Die Römer begründeten hier eine Herrschaft, die beinahe 500 Jahre Bestand hatte. Überall wurden gewaltige Bauten errichtet, Befestigungen angelegt, es entstanden Straßen, Brücken, Siedlungen und vieles andere.
Auch im Amte Grumbach zeugen viele Funde von der einstigen romischen Herrschaft: Die Grundrisse eines Marstempels auf der Hardt bei Merzweiler sind heute noch erkennbar, ein Mithrasheiligtum in Grumbach, von dem wir allerdings nur aus der Geschichtsschreibung wissen, ein Relief an der Kirche zu Ilgesheim, die Fundamente des Römerhofes bei Buborn, Fundamente einer Siedlung bei Kirrweiler, die Römerstraße, zahlreiche Münzfunde und Funde von Vasen und anderen Geräten, der Name Salisso (Sulzbach), der sich in einem römischen Straßenverzeichnis befindet; alle diese Dinge sind Zeugen jener Zeit.
Als die Römer von unserem Land Besitz ergriffen hatten, setzten sie zu seiner Verwaltung „duces“ (Herzöge) und „comites“ (Grafen) ein. Die um das Jahr 500 folgenden Franken behielten diese Bezeichnungen bei.
Um das Jahr 400 n. Chr. kam die Römerherrschaft ins Wanken. Germanische Stämme, die Alemannen, Franken und Burgunder klopften an die Pforten des alten Römerreiches, hatten aber zunächst wenig Erfolg. 450 brachen dann die Hunnen unter ihrem König Attila in unser Land ein und drangen bis in das heutige Frankreich vor, gefolgt von dem Feuerschein der brennenden Siedlungen und dem Wehklagen gepeinigter Menschen. Im Volks-mund gingen Erzählungen um von der großen Hunnenschlacht in der Winterhauch, vom  goldenen Wagen des Hunnenkönigs, von Gräbern und darin versteckten Schätzen.
Der Raum zwischen Glan und Mosel war leer geworden. In diesen leeren Raum stießen nun wieder die Aleman-nen vor, mußten aber um 500 den Franken weichen, die endgültig von unserem Gebiet Besitz ergriffen.

Ein fast menschenleeres Trümmerfeld war das Erbe, das die Franken hier antraten. Die Äcker waren verwüstet, die Siedlungen verbrannt und zerstört, die Menschen meist geflohen oder umgekommen. Die geringen Reste kelto-romanischer Bevölkerung waren zu schwach, sich den neuen Einflüssen gegenüber durchzusetzen, so dass unsere Gegend in den nun folgenden Jahrhunderten völlig deutsches Land wurde.